Aufsatz 
Das neue Königliche Wilhelms-Gymnasium und die Feier der Eröffnung desselben / Friedrich Heussner
Entstehung
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Karl Wenzel, geboren zu Hoheneiche im Kreise Eschwege am 28. Mai 1850, ev. Konf., be- suchte von Ostern 1868 bis Ostern 1871 das Lehrerseminar in Homberg. Nach bestandener Prüfung war er kurze Zeit als Lehrer im Kreise Schmalkalden und dann in Eschwege thätig. Zu Ostern 1872 wurde ihm eine Lehrerstelle an der hiesigen Mädchenbürgerschule II übertragen, zunächst provisorisch und nach bestandener zweiter Prüfung vom 1. Januar 1874 ab definitiv. Nachdem derselbe in seiner freien Zeit mehrere Jahre die hiesige Zeichenakademie besucht hatte, ist ihm vom 1. April 1886 an die Stelle eines Zeichenlehrers am Wilhelms-Gymnasium provisorisch übertragen worden.

Mit der Eröffnung des Schuljahres traten als Probandi ein die Kandidaten des höheren Schulamtes Dr. Müller, Spohr und Wassermeier.

Vom 13. Mai bis Ende des Semesters erteilte der Kandidat des höheren Schulamtes Degenhardt ohne Remuneration eine Anzahl Stunden in den unteren und mittleren Klassen. Seine Thätigkeit wurde leider längere Zeit durch eine Krankheit unterbrochen.

Im Juni wurde dem ordentlichen Lehrer Dr. Langsdorf von Sr. Excellenz dem Herrn Minister der Oberlehrertitel verliehen.

Am 25. Juni und 25. Januar besuchte Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer das Gymnasium und wohnte dem Unterricht in verschiedenen Klassen bei.

Am Freitag und Sonnabend vor Pfingsten, den 10. und 11. Juni, unternahmen sämt- liche Klassen des Gymnasiums, zum Teil mit Klassen des Friedrichs-Gymnasiums zusammen, unter Führung ihrer Lehrer Ausflüge, und zwar die oberen Klassen(Freitag und Sonnabend) teils in den Teutoburgerwald, teils in den Thüringerwald oder in den Harz, die Klassen Tertia bis Quinta(Freitag) nach verschiedenen Orten der Umgegend, Sexta(Sonnabend) nach Wilhelmshöhe. Sodann machte der Primaner-Gesangverein, bestehend aus Primanern der beiden Kgl. Gymnasien, in den ersten Tagen der Sommerferien unter Führung des Direktors des Friedrichs-Gymnasiums eine Tour nach dem Rhein.

Die Sommerferien begannen am 3. Juli und dauerten bis zum 2. August.

Die schriftliche Maturitätsprüfung fand in der Woche vom 9. bis 14. August, statt, die mündliche unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer am 17. Sept.

Zur Feier des Sedantages am 2. September war vormittags ein öffentlicher Schulakt in der Aula, bestehend aus patriotischen Gesängen und einem Vortrage des Gymnasiallehrers Dr. Eigenbrodt über die Schlacht bei Belle-Alliance. Nachmittags fuhren sämtliche Klassen unter Führung ihrer Lehrer und unter zahlreicher Beteiligung von Angehörigen der Schüler mit Extrazügen der Trambahn nach Wilhelmshöhe und zogen von da bis in die Nähe des Braunkohlenbergwerks, wo Plätze für Spiele hergerichtet waren und Erfrischungen einge- nommen wurden.

Im Laufe des Sommers wurde der Kaplan Hoffmann, welcher den katholischen Religionsunterricht den vereinigten Schülern der beiden Gymnasien erteilte, zum Pfarrer in Gersfeld ernannt. An seine Stelle trat vom 14. September an der Kaplan Martin.

Ludwig Martin, geboren zu Eisenach am 12. Dezember 1853, besuchte das Gymnasium zu Eisenach, dann bis Ostern 1873 das bischöfliche Knabenseminar zu Fulda, bis Ende Januar 1875 das Priesterseminar daselbst, von da bis Ostern 1878 die Universität zu Würzburg. Von da ab war er ein Jahr Kaplan in Geisa, dann 5 Jahre Hauslehrer auf Schlofs Neuenburg bei Erlangen, darauf 2 ½ Jahr Kaplan in Hünfeld.

Die öffentlichen Prüfungen der Herbstklassen wurden am Freitag den 24. und Sonnabend den 25. September abgehalten; an demselben Freitag war auch die Aufnahme- prüfung der neuzugehenden Schüler. Am Sonnabend den 25. morgens 10 ½ Uhr folgte die Schluſsfeier und feierliche Entlassung der Abiturienten. 1. Chorgesang: Motette:Ich will