Aufsatz 
Das neue Königliche Wilhelms-Gymnasium und die Feier der Eröffnung desselben / Friedrich Heussner
Entstehung
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von 0. 1856 60 das Gymnasium zu Hanau und studierte von da bis O. 1864 Philologie und Geschichte in Marburg und Bonn. Nachdem er die theoret. Prüfung für Bewerber um ein ordentl. Gymnasiallehramt bestanden hatte, trat er im Juli 1864 als Praktikant am Gymnasium zu Hanau ein. Von Mich. des genannten Jahres wurde er ebendaselbst, von O. 1865 am Gymnasium zu Cassel mit Versehung einer Lehrstelle beauftragt, bestand im Juni 1866 die praktische Prüfung und wurde vom 1. August desselben Jahres als ordentlicher Gymnasiallehrer am Gymnasium zu Cassel angestellt. Auf Grund einer Dissertation betitelt:Observationes grammaticae in Catulli Veronensis librum erhielt er von der philos. Fakultät zu Marburg die philosophische Doctorwürde. Bald nach Mich. 1874 wurde ihm das Prädikat Oberlehrer verliehen, im Januar 1877 wurde er mit dem Königl. Kronenorden IV. Kl. dekoriert, Mich. 1878 als etatsmäfsiger Oberlehrer an das Gymnasium zu Hanau versetzt. O. 1881 wurde er als Direktor an das Groſsherzoglich Oldenburgische Gymnasium zu Eutin berufen, O. 1886 in gleicher Eigenschaft an das neue Königliche Wilhelms-Gymnasium zu Cassel. Im Druck erschienen von ihm aufser der genannten Dissertation eine Reihe von Recensionen und eine Rede überDie deutsche Opposition gegen französischen Einfluſs seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts in dem Allgem. litter. Anzeiger (Gütersloh, Bertelsmann), ein Vortrag überWalther von der Vogelweide als polit. Dichter in den Deutschen Blättern(Gotha, Perthes), ein Nekrolog auf K. W. Piderit in den Jahrbüchern für Philol. und Pädag.(1876), ein die Provinz Hessen-Nassau behandelnder Teil in einem zu Dortmund erschienenen Volksschullesebuch für Mittelklassen und der unter der RubrikLand und Leute, Sagen stehende die genannte Provinz behandelnde Teil desselben Lesebuchs für die Oberklassen, ein Festgruſs des Lehrer- kollegiums zu Hanau an das Gymn. zu Cassel zu seiner ersten Säkularfeier, betitelt:Unsere Mutter- sprache und ihre Pflege(Cassel, Freyschmidt), eine Festschrift(1882)Joh. Heinr. Vofs als Schulmann in Eutin und eine FestredeDie Vossische Ubersetzung des Homer(Eutin, Struve), im Eutiner Pro- gramm 0. 1884 eine Festrede überdie Luthersche Bibelübersetzung, schliefslich eine gröſsere Anzahl von Recensionen und pädagogisch-didaktischen Abhandlungen in der ZeitschriftGymnasium(Paderborn, Schöningh) und den Frick-RichterschenLehrproben und Lehrgängen(Halle, Waisenhaus).

Die feierliche Eröffnung des Gymnasiums fand am Dienstag den 4. Mai morgens 10 Uhr statt(s. S. 7 ff.), der Unterricht begann am Mittwoch den 5. Mai.

Die Anstalt überkam vom Friedrichs-Gymnasium(dem bisherigen Lyc. Fridericianum) 17 Lehrer; 1. Die Oberlehrer Prof. Dr. Auth I, Dr. Praetorius, Dr. Krämer, Dr. Auth IlI, Püttgen, Wagner. 2. Die ordentlichen Lehrer Dr. Langsdorf, Manns, Zülch, Franz, Dr. Eigenbrodt, Bochröder. Der bisherige Hülfslehrer am Lyc. Frid., Bleckmann, war vom 1. April an zum ordentlichen Lehrer befördert. 3. Den wissenschaftlichen Hülfslehrer Sunkel und den Elementar- und technischen Lehrer Stern. 4. Die Hülfslehrer für Religionsunterricht Pfr. Fürer(ev.) und Kaplan Hoffmann(kath.). Zu diesen traten zwei neue technische Lehrer, Stolzenberg(hauptsächlich für Gesang) und Wenzel(haupt- sächlich für Zeichnen), hinzu. Sodann bekam die Anstalt vom Lyc. Frid. 324 Schüler, zu denen 69 neu aufgenommen wurden, welche zum grölsten Teil schon vor den Osterferien im Friedrichs-Gymnasium die Aufnahmeprüfung bestanden hatten. Über das Leben und die litterarische Thätigkeit der vom Friedrichs-Gymnasium bei der neuen Anstalt einge- tretenen Lehrer geben die betr. Programme jener Anstalt Auskunft. Hier sei nur kurz über die neu hinzugetretenen berichtet.

Hermann Stolzenberg, geboren zu Neu-Laube(Kreis Fraustadt) am 20. April 1853, ev. Konf., besuchte das Seminar zu Bromberg, wurde provisorisch angestellt am 1. Juli 1872 als Kantor und Lehrer in Schneidemühl, 1873 als technischer Lehrer an der höheren Privat-Knabenschule zu Steglitz bei Berlin, danach an den Schulen zu Groſs-Slawsk und Strelno, daselbst vom Juli 1877 ab definitiv, Juli 1880 am Progymnasium zu Kelbra am Kyffhäuser, Herbst 1883 an der Stadtschule zu Nordhausen, bestand im Früh-

jahr 1886 die Turnlehrerprüfung in Berlin und wurde zum 1. April 1886 an das hiesige Wilhelms- Gymnasium berufen.