Aufsatz 
Das neue Königliche Wilhelms-Gymnasium und die Feier der Eröffnung desselben / Friedrich Heussner
Entstehung
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so bildet es freilich von dieser aus den Hauptgesichtspunkt, aber es ist dem Auge nur das Dach und der obere Stock sichtbar; der übrige Teil wird durch das davorstehende städtische Gebäude am Rondel Nr. 5 verdeckt. Dieses niederzulegen, sobald der neue Rathausbau begonnen wird, liegt im Plane der städtischen Behörde. Die Humboldtstraſse soll alsdann in der Flucht des Gymnasiums fortgeführt werden bis zur Rondelstraſse, und zwischen dem Gymnasium und der Rondelstraſse soll dann das neue Rathaus zu stehen kommen. Dadurch wird die Königsstraſse einen schönen Abschluſs gewinnen.

Alle drei oben genannten Gebäude des neuen Gymnasiums sind im Ziegelrohbau aufgeführt und mit hellgelben Thonsteinen verblendet, mit Ausnahme der Sockelmauern, sowie der architektonischen Gliederungen am Hauptgebäude, die aus Sandstein hergestellt wurden.

Die Frontlänge des Gymnasialgebäudes beträgt 54 m, und es zeigt die Vorder- seite, mit vorspringendem Mittelbau, das ziemlich hohe Kellergeschols, das Erdgeschoſs und zwei Stockwerke darüber und zählt 21 Fenster in dem zweiten Stock, wovon allein drei je dreiteilige Fenstergruppen auf die Aula kommen. Die Architektur des Baues ist keine streng einheitliche, sondern eine gemischte Stilart, denn während das Hauptportal, Giebel, Erker und Dach gotisches Gepräge tragen, sind die Fenster der Aula allein im romanischen Stil gehalten, und die übrigen Fenster, Dachgesims, Pilaster zeigen mehr die bei modernen Schulbauten übliche Architektur.

Als architektonisch bemerkenswert am Auſseren des Gebäudes ist hervorzuheben das ganz aus rotem Sandstein ausgeführte hohe Hauptportal, dessen Spitze eine Kreuzblume trägt. An der Stirn des Portals über dem Eingang ist in einer Nische eine Eule, in Stein gemeiſselt, angebracht, als Sinnbild der Weisheit. Erwähnung verdient auch das den Zugang zum Portale verschlieſsende schmiedeeiserne Thor mit zwei zierlichen Sandstein- pfeilern, auf denen kunstvoll geschmiedete Kandelaber stehen. Ferner sind die Fenster der Aula zu nennen, von denen je drei zusammenliegende durch schlanke Doppelsäulchen aus weilsem Sandstein getrennt sind, dann das ganz aus Sandstein gearbeitete, stark vortre- tende und architektonisch schön gegliederte Hauptgesims. An diesem, und zwar in der Mitte des Giebelfeldes über dem dritten Stock, ist in vergoldeten Buchstaben die Inschrift Gymnasium zu lesen. Auſserdem sind die Felder zwischen den übrigen Fenstern noch mit Pilastern versehen, welche meist durch Sandsteinarchitektur bekrönt sind. Das hoch- giebelige, mit Schiefersteinen gedeckte Dach ist mit zahlreichen gotischen Erkertürmchen geziert, die Dachfirste mit geschmackvoll ausgeführtem Eisengitter. Dadurch daſs der Mittelbau um ein Bedeutendes höher geführt ist als die seitlichen Teile, überragt auch das Dach des Mittelbaues die übrigen Dachteile. In der Mitte dieses Daches ist ein umgittertes Plateau, von wo aus man eine herrliche Rundsicht auf Stadt und Umgegend genielſst,