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III. Chronik des Gymnasiums.
Der neue Cursus begann am 6. April 1875 mit der Aufnahmeprüfung. Am folgenden Tage Eröffnung des Sommersemesters und Einführung des Gymnasiallehrers Dr. Hirschberg*).
Die Pfingstferien dauerten vom 15. bis 23. Mai.
Am 29. Juni fiel der Unterricht aus wegen der Einweihungsfeier des Wilhelmsthurms.
Am 10. August Turnfahrt mit den grösseren Schülern nach Wetzlar, dem Stoppelberg, Schiffenberg und Giessen, mit den kleineren in die Umgegend.
Am 2. September wurde das Sedanfest auf dem Wiersdörfer'schen Garten gefeiert. Die Ansprache hielt Oberlehrer Friedemann.
Die Herbstferien dauerten vom 3. September bis zum 7. October.
Am 1. December fiel die Schule wegen der Volkszählung aus.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. December bis zum 6. Januar.
Die schriftliche Abiturientenprüfung**) fand vom 14. bis 19. Februar statt; die münd- liche unter Vorsitz des Herrn Provinzialschulraths Dr. Rumpel am 9. März. Auf Grund der- selben erhielten das Zeugniss der Reife für academische Studien die Oberprimaner
Name. Geburtsort. Heimathsort. Confession. Alter. Aufenthalt in I.] Studienfach. Moritz Schellenberg. Steinfischbach, Dillenburg. evangelisch. 19 ³ Jahr. 2 ½ Jahre. Forstwissensch. Untertaunuskreis. Gustav Weidenbach. Minden. Dillenburg. evangelisch. 20 ¼ Jahr. 2 Jahre. noch unbestimmt.
Am 10. März Feier des hundertjährigen Geburtsfestes der Königin Luise durch einen Schulact, in welchem Gymnasiallehrer Kegel den Schülern eine Schilderung des Lebensganges der Königin Luise gab.
Am 22. März Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs Morgens 10 ½ Uhr durch einen Actus im Decker'schen Saale nach unten stehendem Programm.***) Nachmit- tags gesellige Vereinigung im Kuhn'schen Locale.
*) Dr. Carl Wilhelm Otto Albert Hirschberg, Sohn eines Predigers, geb. am 18. Februar 1847 zu
Crüssau bei Burg, erhielt seine Vorbildung auf dem Domgymnasium zu Magdeburg und studirte von Mich. 1866
bis 1870 in Leipzig, Heidelberg und Berlin Philologie und Geschichte. Nachdem er bei der freiwilligen Kranken-
pflege in Frankreich thätig gewesen war, bestand er am 30. April 1872 in Berlin die Prüfung pro facultate docendi.
Vier Monate war er dann Hauslehrer und trat Mich. 1872 am Gymnasium zu Salzwedel sein Probejahr an. Gleich-
zeitig verwaltete er die Stelle eines Hülfslehrers und wurde als solcher vom 1. October 1873 an definitiv angestellt.
Ostern 1875 wurde er am hiesigen Gymnasium ordentlicher Lehrer.
**r) Die Themata zu den schriftlichen Arbeiten waren:
1. Deutscher Aufsatz: Wie ist der preussische Staat zu seiner gegenwärtigen Bedeutung gelangt?
2. Lateinischer Aufsatz: Magnitudinem populi Romani prope admirabiliorem adversis rebus quam secundis esse.
3. Mathematische Aufgaben: a) Ein Dreieck zu berechnen, wenn gegeben sind a= 195, b: cy= 13: 14, r= 105,625. (r Halbmesser des umschriebenen Kreises.) b) In einer arithmetischen Reihe ist die Summe des zweiten und des zwanzigsten Gliedes= 10, das Product dieser beiden Glieder= 2347564. Wie gross ist die Summe der ersten 16 Glieder? c) Wie gross ist der Inhalt eines regelmässigen Octaëders, welches dieselbe Oberfläehe hat, wie ein Tetraëder mit der Kante A? d) Der Halbmesser eines Kreises ist gegeben. Man soll denselben so beschreiben, dass er durch einen gegebenen Punkt geht und einen der Lage und Grösse nach gegebenen Kreis berührt.
**) 1. Gesang:„Die Ehre Gottes aus der Natur“ von Beethoven. 2. Der Sextaner Rudolph Manger:„Wo wohnt der liebe Gott“ von Hey.


