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Die Geschwindigkeit, das sieht man sofort, war auf verschiedenen Wegen verschieden. Da sie aber abhängig ist von der Breite der Welle und der Meerestiefe, so erklärt sich die Geschwindigkeit durch die ungleiche Meerestiefe auf den verschiedenen Wegen. Airy hat die Bezichungen, welche zwischen der Geschwindigkeit der Wellen, ihrer Breite und der Meerestiefe bestehen, in die Form einer Tabelle gebracht. Mit Hilfe dieser Tabelle findet man für die mittlere Tiefe auf den verschiedenen Wegen folgende Werthe:
Weg Geographische Breite Tiefe in Faden Xrica bis Valdivia... Küste von Chili.... 1160 .„ Chatham.. 310 0⸗ südi...... 2212 „„ Layttelton... 3410 10⸗:„.1555 .„ Newcastle. 250 52⸗„ 1598 „„ Khia 160 26⸗„. 248 3„ Sandwich-Inseln. 10 25⸗ nördl...... 3665
Mit den wenigen Messungen im stillen Ocean sind diese Resultate in recht guter Uebereinstimmung. Man ersieht aus ihnen, dass die Tiefe vom Aequator an nach Süden abnimmt. Vergleicht man die Zeit, welche diese Welle gebraucht hat um die verschie- denen Wege zurückzulegen, mit der Anzahl der Pluthstunden, so ergibt sich folgendes. Zwischen Arica und Newcastle liegen 22 Fluthstunden, zwischen Arica und Apia 16, zwischen Arica und den Sandwich-Inseln 13 ½ Fluthstunden. Die vollständige Uebereinstimmung der Bewegung der lunaren Fluth und der Erdbeben- fluth kann somit als unzweifelhaft erwiésen betrachtet werden. Dass sich solche W9ellen nach der Mohr'schen Theorie nicht erklären lassen, liegt auf der Hand. Es ist ungefähr so, als wenn man die von einem Dampfschiffe erregten Wellen durch einen in das Wasser geworfenen Stein erklären wollte. So lange man keine irdische Kraft kennt, die Wellen von solcher Grösse erzeugen kann, ist es erlaubt anzunehmen, sie stammen von der Wirkung, welche durch die Anziehung von Mond und Sonne auf den heissflüssigen Inhalt unseres Erdkörpers hervorgebracht wird.
Ueber die Abplattung unserer Erde hat Mohr eine Hypothese aufgestellt, für welche er, ebenso wie für die vorhergehenden Hypothesen, die volle Verantwortlichkeit äbernimmt. Diese Hypothese ist aber nicht neu wie die vorhergehenden, sie ist, wie Naumann gezeigt hat ¹), schon vor 70 Jahren von dem Schottischen Physiker Playfair vorgetragen, von Lyell in seinen Principles of Geology und von John Herschel in seiner Astronomie besprochen worden.
Bekanntlich wird von den Plutonisten geltend gemacht, die Abplattung der Erde spreche für einen ursprünglich heissflüssigen Zustand. Mohr leugnet dies und behauptet, auch ohne diesen Zustand hätte unsere Erde, welche Form sie auch gehabt haben möge, die Gestalt eines abgeplatteten Sphärids annehmen müssen. Sie war nach Mohr-Playfair ursprünglich eine Kugel und drehte sich um ihre Achse. Das Wasser war mithin gleich- mässig über sie ausgegossen. Da trat die Rotation ein und machte die Centrifugalkraft
¹) Neues Jahrbuch für Mineralogie. 3. Heft 1871.


