Aufsatz 
Ueber einige geologische Fragen / von Ferd. Henrich
Entstehung
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es die hebende Kraft abgegeben hat. Natürlich, wir hätten ja sonst eine Art perpetuum mobile; die Erdmasse, die eben unter Wasser gesunken ist und Wärme erzeugt hat ver- wandelt das Wasser in Dampf von hoher Spannung und dieser schleudert den grössten Theil der gleichzeitig gebildeten heissen Lava wieder empor. Ein Aequivalent für die nicht emporgetriebene Masse ist in der ausserordentlichen Hõhe zu suchen, bis zu welcher die Bomben, Rapilli und die Asche emporgeworfen wird. Wasserdampf kann mithin nach Mohr die Ursache der Lavaerhebung auf 3000 bis 12000 und mehr Fuss nicht sein. Betrachten wir nun, dass Lava und Wasser im Vesuv um 3000 Fuss höher gehoben werden, als das Meeresniveau sie nach hydrostatischen Gesetzen heben könnte, so scheint uns hier ein Verstoss gegen diese Gesetze vorzuliegen. Allein dieser Verstoss schwindet, wenn wir die Wirkung einer dazwischen liegenden festen Schichte annehmen. In dem sogenannten anatomischen Heber kann man durch Belasten der breiten Oberfläche des Balges kleine Mengen Wasser bis zu Manneshöhe hinaufdrängen. Das hydrostische Prin- cip ist durch die Zwischenlagerung einer festen Scheidewand gebrochen. In den Wasser- säulenmaschinen des Salzkammerguts drückt man mit einer Wassersäule von 300 Fuss Höhe, Salzlauge über einen Berg von 10000 Höhe. In der Maschine sind zwei ungleich dicke Kloben an dieselbe Stange befestigt, das hebende Wasser drückt auf den grossen Kolben, die Salzlauge ruht auf dem Kleinen. Im Meere ist der stehengebliebene Meeres- boden die feste Zwischenwand und die darunter durch Diffusion ausgeleerte Schicht die Flüssigkeit. Wird der Meeresboden mehr und mehr belastet, etwa durch Kalkablagerung, so wird der Druck zuletzt genügen, eine kleine Menge Lava und Wasser auf eine weit bedeutendere Höhe als das Meer selbst ist zu drängen. Die Lava wird aber am soviel höher gehoben werden können, als ihr Querschnitt kleiner ist als der drückende Meeresboden.

Ist nun der Vergleich mit dem anatomischen Heber zutreffend? Bekanntlich be- steht derselbe aus einem weiten cylindrischen aber nicht hohen Gefässe, an dessen Boden eine Röhre mündet, die viel höher ist als der Cylinder. Giesst man Wasser in das cylind- rische Gefäss, so stellt es sich in der engen Röhre gleich hoch. Verschliesst man aber das cylindrische Gefäss mit einer Haut und giesst jetzt in die enge Röhre Wasser, so wird die Luft im cylindrischen Gefässe comprimirt und die Haut ausgedehnt, ¹) das Wasser aber steht jetzt in der Röhre höher als im Gefässe. Belastet man nun die Haut, so wird durch die noch mehr comprimirte Luft das Wasser in der Röhre entsprechend gehoben. Da Mobr ausdrücklich mit Luft gefüllte Hohlräume unter dem Meeresboden ausschliesst, so ist der Vergleich schon aus diesem Grunde unzulässig. Wasserdampf könnte man sagen vertritt seine Stelle. Gut, aber der stehengebliebene Meeresboden, welcher die Stelle der Haut vertritt ist ganz unelastisch und kann durch Kalk wohl mehr und mehr pelastet Risse und Sprünge bekommen und auch zerbrochen, nicht aber wie die Haut gebogen werden. Ersetzt man die Haut des anatomischen Hebers durch einen starren Körper z. B. durch eine dicke unbiegsame Metallplatte, so kann man diese so stark belasten als man nur will, das Wasser in der Röhre wird nicht im mindesten

¹) Diese ist nun zur anatomischen Untersuchung geeigneter.