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nehmender blieb, als es gerade die Oberprima, alſo die Klaſſe der Abiturienten war. Aber die Ermattung nahm zu
und verpaarte ſich mit verſchiedenen auflöſenden Symptomen. Der 18. November war der Tag ſeines Hinſcheidens; am
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19. November fand unter allſeitigſter Theilnahme das feierliche Begräbniß ſtatt, und am 21. November wurden in der Gymnaſialkapelle die Exequien gehalten.— Er war geboren in dem nahen Weiſenau am 27. Mai 1806, wo ſein Vater franzöſiſcher Beamter war, wurde Schüler des hieſigen Gymnaſiums gerade zur Zeit ſeiner neuen Organiſation nach Ein⸗ verleibung Rheinheſſens in das Großherzogthum, vollendete ſeine Univerſitätsſtudien der Philologie zu Gießen von 1825 bis 1829, wurde am hieſigen Gymnaſium Repetitor, proviſoriſcher Lehrer, und durch Decret vom 31. Juni 1835 definitiv angeſtellt; ſeit 1855 verſah er zugleich die Bibliothekarſtelle. So war ſein Leben von Jugend auf mit unſerm Gymnaſium verwachſenz, und in gleichem Maße bewährte ſich bei allen Gelegenheiten ſeine unverbrüchliche Anhänglichkeit an dasſelbe, und ſeine bis ins Kleinſte ſich erſtreckende Kenntniß aller bisherigen Verhältniſſe und Perſönlichkeiten. Treu und mit immer gleichem Eifer ſeinem Amte ergeben, fand er bei ſeiner unermüdlichen, ihm wahrhaft zum Bedürfniß gewordenen lebhaften Thätigkeit immer noch Zeit genug, um nach den verſchiedenſten Richtungen hin ſeine Theilnahme zu bewähren und mit freiem Wort und friſcher That bei der Hand zu ſein. Er war lange Zeit Secretär und zuletzt Präſident des hieſigen Kunſt⸗ und Literatur⸗Vereins, Mitdirigent des hieſigen Vereins zur Erforſchung der rheiniſchen Alterthümer, correſpon⸗ direndes oder Ehren⸗Mitglied von mehreren auswärtigen Vereinen, lieferte zahlreiche Beiträge, hauptſächlich epigraphiſche, hiſtoriſche und kritiſche, in verſchiedene wiſſenſchaftliche Zeitſchriften und hieſige Localblätter, hielt manchfache öffentliche Vorträge, und betheiligte ſich fleißig an den Philologen⸗ und Lehrer⸗Verſammlungen; daher auch ſeine Bekanntſchaften ſich in die weiteſten Kreiſe ausdehnten. Insbeſondere aber war er recht ein Mann der Stadt Mainz. Die Geſchichte derſelben, ſowohl in ihrem ganzen Verlaufe, als beſonders zur Römerzeit und während der franzöſiſchen Revolutionszeit, war ihm eine Lebensaufgabe; Quellen dafür aufzutreiben, Gedrucktes und Geſchriebenes, oder monumentale Ueberreſte, war er unermüdlich; und nicht minder war er vertraut mit allen gegenwärtigen Verhältniſſen, öffentlichen und privaten, und war jederzeit bereit, Aufſchluß zu geben. Von ſeinen Schriften in den genannten Beziehungen heben wir hervor:„Das römiſche Mainz“,„Mainz und ſeine Umgebung“„Geſchichte von Mainz während der erſten franzöſiſchen Occupation“;„Georg Forſter in Mainz“, Das Großherzogthum Heſſen“; ſie alle bekunden zugleich ſeine feſte patriotiſch⸗deutſche Geſinnung. Zeichen der Anerkennung ſind ihm mehrfach zu Theile geworden. Im Herbſt 1859 erhielt er von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog den Titel„Profeſſor“, im Sommer 1868 von der philoſophiſchen Facultät der Univerſität Würzburg das Doctordiplom honoris causa; und im Herbſt desſelben Jahres wurde ihm von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog das Ritterkreuz erſter Claſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmüthigen verliehen. Ein ausführlicherer Nekrolog iſt ihm bereits bald nach ſeinem Hinſcheiden in öffentlichen Blättern gewidmet worden. Lebendiger aber werden ſeine zahl⸗ reichen, ihm liebevoll anhänglichen Schüler, ſowie die ganze Bürgerſchaft von Mainz das Andenken des ſo charakteriſtiſch hervortretenden Mannes bewahren. Das Gymnaſium ſelbſt hat weſentlich in ihm ein lebendiges Glied ſeines bisherigen geſchichtlichen Beſtandes verloren.
Die Stellvertretung für Prof. Klein übernahm beim Beginn des Schuljahres der Repetitor Dr. Bone und führte ſie auch nach dem Tode desſelben noch fort bis zum Abſchluß des Quartals um Weihnachten. Mit dem neuen Quartal rückten alsdann die betreffenden Klaſſenführer aufwärts, nämlich Prof. Dr. Vogel zur Ober⸗Prima im Wechſel mit Prof. Dr. Becker in Unterprima; Dr. Keller zur Ober⸗Secunda im Wechſel mit Dr. Killian in Unter⸗Secunda, und Dr. Schall zur Tertia im Wechſel mit Dr. Hattemer in Quarta. Der Repetitor Dr. Bone übernahm das Ordinariat der Quinta.
Außerdem, daß die Erleichterung des Dr. Stigell noch wie im vorigen Jahre fortdauern mußte, ſtellte ſich eine andere nachhaltige und unerwartete Störung zum Beginne des Schuljahres dadurch entgegen, daß die Wiederbeſetzung des durch den Tod des Mathematiklehrers Kiefer erledigten Stelle noch nicht erfolgt war. Auch fürs zweite Quartal konnte ſie noch nicht
erfolgen, ſondern erſt zu Oſtern(ſ. unter 5). Demnach wurde während des ganzen Winterſemeſters der mathematiſche Unter⸗
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richt in den vier unteren Klaſſen von Dr. Diehl, und der mathematiſche Unterricht in den vier oberen Klaſſen nebſt dem geſammten naturwiſſenſchaftlichen Unterricht von Dr. Reis beſorgt. Der Klaſſenführer Schlenger übernahm zu ſeinem regelmäßigen Unterrichte auch noch den franzöſiſchen in ſeiner Klaſſe.
Durch Hohe Verfügung Großherzoglicher Oberſtudien⸗Direction, unter Genehmigung des Großherzoglichen Miniſteriums des Innern, wurde der Repetitor Dr. Bone auf ſein Nachſuchen mit Anfang Februars aus ſeiner Stellung entlaſſen, uum einer Berufung zu Functionen am Königl. Gymnaſium zu Bonn zu folgen. An ſeine Stelle wurde durch dieſelbe Hohe Verfügung der Gymnaſial⸗Acceſſiſt Dr. Ohler ernannt, der gleichzeitig, wie der abgegangene Repetitor, das proviſoriſche Ordinariat der Quinta übernahm und bis zu Oſtern fortführte.
Durch Allerhöchſte Entſchließung Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 24. Februar 1871 wurde der bisherige, durch Allerhöchſtes Decret vom 21. Juli 1868 definitiv angeſtellte Lehrer an der Realſchule zu Alzey, Georg Weihrich, zum zweiten Lehrer der Mathematik und Naturwiſſenſchaften am hieſigen Gymnaſium ernannt. Seine Functionen konnte er erſt mit dem Beginn des Sommerſemeſters antreten, wodurch dann diejenige Einrichtung des Lectionsplanes eingeführt wurde, wie ſie oben verzeichnet iſt.


