Aufsatz 
Das Odenwälder Bauernhaus
Entstehung
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Grundriss zu Abb. 8.

A Flur 2216 382 Ker 0 895 B Küche D C Wohnstube

52650

D Schlafstube E Kuhstall

3 ð 5 5 F Futtergang G Kuh- und Pferdestall H Backofen C= a Tisch

b Bank A c Ofen

5 d Herd

Die unteren Wohnräume sind von auffallend dicken Mauern eingeschlossen, sodass tiefe Fensternischen und Räume für Wandschränke geschaffen werden. Das Wohnzimmer hat in der Ecke nach dem Hofe drei, an der Giebelseite zwei dicht aneinanderliegende kleine Fenster.

An den Wänden dieser Ecke unter den Fenstern her zieht sich die Bank hin, vor der der massive Tisch steht. Hinter der Wohnstube liegt die Schlafstube, die mit jener durch einen Ofen geheizt wird.

Die oberen Wohnräume entsprechen denen im Unterstock. Darüber und über den Stallungen liegen die ausgedehnten Bodenräume. Sie dienen nicht nur als Speicher für die Vorräte an Frucht, Sämereien, Zwiebeln u. dergl., sondern enthalten auch eine umfangreiche Werkstatt des Hofbanern mit Hobel- und Schnitzbank. Denn in seiner Weltabgeschiedenheit ist er mehr als andere auf sich selbst angewiesen.

Reparaturen und kleinere Neuerungen an Tür und Tor, Haus- und Ackergerät werden mit eigener Hand vorgenommen;die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

Ausserdem wird in der langen Winterzeit, wo der Tag kaum andere Arbeiten als Vieh- fütterung, Holzfällen und Jauchefahren mit sich bringt, nicht gefaulenzt. Da wird aus Birken- reisern der eigenen Waldung ein stattlicher Haufen Besen gebunden mit grossem, durch lange Übung erworbenem Geschick, und ein ansehnlicher Vorrat von Rechen gearbeitet, die an Voll- kommenheit der Ausführung nichts zu wünschen übrig lassen. Auch die Strohkörbe für die zahlreichen Bienenvölker gehen aus der Hand des Bauern hervor, ebenso wie der ganze Bienen- stand, der sie beherbergt. 1

Vor dem Wohnhause breitet sich der hohe Misthaufen aus, der Stolz des Landmannes, von einem zahlreichen gackernden und scharrenden Hühnervolke belebt.

Natürlich fehlt auch ein kleines Gärtchen nicht, in dem ausser Salat, Gemüse und duftenden Küchenkräutern auch die Lieblingsblumen des Odenwälders ihren Platz finden: Kaiserkronen, Lilien, Goldlack(gêle Viole, Gelbveigelein), Nelken, Reseda und Centifolien.

Daneben sprudelt aus einem doppelröhrigen Brunnen das silberhelle Nass in den darunter- stehenden Steintrog, vereinigt sich bald mit anderen kleiuen Gerinnseln und eilt als murmelndes, wie ein Kätzlein schnurrendes Bächlein(Schnorrenbach) dem grösseren Bruder in die Arme.