weiſen Regierung Kaiſer Wilhelms zu verdanken hat. Der Nachmittag wurde freigegeben. Den 8. Januar wurde nach gemeinſamer Hora der Unterricht begonnen.
Am 22. März, dem Geburtstage Sr. Majeſtät unſeres Kaiſers und Königs wurde ein der Sedanfeier gleicher Schulaktus abgehalten; in der Feſtrede ſchilderte Herr Böhmel Friedrich des Großen Stellnng zur Erziehung. An dieſe Feier ſchloß ſich die nflaſpung der Abi⸗ turienten durch den Unterzeichneten an.
Kuratorium des Realprogymnaſiums.
Herr Oberbürgermeiſter Schüler, Vorſitzender, „ Paſtor Bernhard, Stadtſchulinſpizient, „ Profeſſor Dr. Lucae, Stadtratsmitglied, „ Rentier Spörhaſe, Ausſchußmitglied, Der Rektor der Anſtalt.
In den Perſonal⸗ und Einkommens⸗ verhältniſſen des Lehrerkollegiums haben im letztverfloſſenen Schuljahr Anderungen nicht ſtattgefunden.
Unterbrechungen des regelmäßigen Un⸗ terrichtsganges fanden im erſten Quartal dadurch ſtatt, daß Herr Zeichenlehrer Schür⸗ mann, welcher ſchon vor dem Schluſſe des vorigen Schuljahres ſchwer erkrankt war, auch noch während genannter Zeit durch Krank⸗ heit an der Erteilung des Zeichenunterrichts ver⸗ hindert war. Den größeren Teil der Stunden erſetzte der Unterzeichnete, wenn auch in anderen Lehrgegenſtänden. Mit dem Beginne des zweiten Quartals war Herr Schürmann zu unſerer Freude wieder vollkommen hergeſtellt und konnte alle Zeichenſtunden wieder übernehmen. Der Geſundheitszuſtand der übrigen Lehrer war ein zufriedenſtellender; in Ver⸗ hinderungsfällen wurde durch Vikarieren ein Ausfall der Stunden vermieden. Beur⸗ laubungen kamen im verfloſſenen Jahre nur für wenige, einzelne Tage vor. 7
Der Geſundheitszuſtand der Schüler war weniger günſtig; in dem Winterſemeſter, beſon⸗ ders im Monat März, war die Zahl der erkrankten Schüler nicht ſelten eine außergewöhnliche. Leider haben wir auch, nachdem wir mehrere Jahre von
odesfällen unter den Schülern verſchont geblieben waren, einen ſolchen im letzten Jahre zu be⸗ klagen. Der Quintaner G. Hücker erkrankte vor Weihnachten an Gehirnhautentzündung und trotz der ſorgſamſten Pflege wurde er ſeinen trauern⸗ den Eltern und Geſchwiſtern und unſerer Anſtalt
entriſſen. Seine Eltern verloren in ihm einen guten Sohn, die Lehrer einen braven Schüler. Die Mitſchüler ſeiner Klaſſe ſandten ihm zu ſeinem Begräbnis ein Kiſſen und drei ſeiner Lehrer wohnten am 27. Dezember ſeinem Leichen⸗ begängnis, welches in ſeinem Heimathsorte Willingshauſen ſtattfand, bei.(In den 19 Jahren des Beſtehens des Realprogymnaſiums[von Oſtern 1867 an] wurde dieſes von 770 Schülern beſucht; die Zahl der Todesfälle betrug in dieſer Zeit ſieven; gewiß ein günſtiges Verhältnis.)
Da eine größere Zahl der Lehrer an der Verſammlung der Lehrer der höheren Un⸗ terrichtsanſtalten in Heſſen⸗Naſſau und Waldeck, welche am Mittwoch vor dem Himmelfahrtsfeſte zu Biedenkopf abgehalten wurde, teilnahmen, ſo fiel an dem genannten halben Schultage der Unterricht aus.
Am 9. Juni wurde die ſogenannte Turn⸗ fahrt unternommen, und zwar war dieſelbe für Sekunda und Ober⸗Tertia in dieſem Jahre zwei⸗ tägig; ihr Ziel war mit Benutzung der Eiſenbahn der Vogelsberg, und ſie wurde unter Leitung der Herran Dr. Schäfer und Böhmel ausgefuͤhrt.
ie Schüler der Unter⸗Tertia und Quarta be⸗ ſuchten, gleichfalls mit Benutzung der Eiſenbahn bis Frielendorf, den Knüll und Schwarzen⸗ born undwaren von demHerrn Fladungund dem Unterzeichneten begleitet. Der Ausflug war beſonders lohnend, weil der Vater eines Schülers, Herr Gaſtwirt Wölker aus Spießkappel, die Güte hatte, die Führung auf dem Wege zu über⸗ nehmen.
Die dritte Abteilung, die Schüler der Quinta und Sexta, fuhr unter Leitung der Herren Dute, Hölzerkopf, Schindewolf und Haaſe nach Fronhauſen, ging von da nach dem Gleiberg und Gießen und reiſte von hier nach Marburg zurück. Das ſchönſte Wetter er⸗ höhte das Vergnügen, welches bis jetzt eine ſolche Turnfahrt ſtets bereitet hat. Die Fahrt auf der Eiſenbahn ſtellt ſich für die Teilnehmer bekanntlich in neuerer Zeit ſehr billig, indem das Kilometer mit 1 ½ Pfennig(Militärbillet) berechnet wird.
Am 29. Mai wurden wegen großer Wärme die Stunden von 2 bis 4 Uhr ausgſſetzt.
Am 15. und 18. Juni wurde der Nachmittags⸗ Unterricht von 3 bis 5 Uhr gehalten; am 25., 26. und 29. Juni fiel der Unterricht von 2 bis 3 Uhr aus. 5
Zu wiederholten Malen wurde an einem Nachmittage der Unterricht ausgeſetzt, indem die Lehrer mit den Schülern einen Spaziergang in dieſer Zeit machten.


