Die Handelsbeziehungen in Deutschland in vorgeschichtlicher Zeit erörtert ein Schulprogramm von Ruhrort(Dr. W. Varges,»Der deutsche Handel von der Urzeit bis zur Entstehung des Frankenreichs-, 1903), das aber leider die reichen Forschungen, die in den letzten Jahren in Hessen und Südwestdeutschland vorgenommen worden sind, ganz ausser betracht lässt. Wir entnehmen aber daraus, dass namentlich der Handel mit Bernstein von jeher sehr bedeutend gewesen ist. Dieses Harz, das bei Griechen und Römern wie bei Germanen grossen Wert hatte, wurde in der Zeit des grossen Entdeckungsreisenden Pytheas aus Massilia(Marseille) von der holsteinischen Nordseeküste auf Landwegen nach dem Süden geschafft; Plinius(nat. hist. 4, 94) erzählt uns: Xenophon Lampsacenus a litore Scitharum hidui narigatione insulam esse immeénsae magnitudine Balciam tradit, eundem Poitheas Buasiliam nominat;»Xenophon aus Lampsakus und Pytheas reden beide von einer Bernsteininsel Balcia oder Basilia, die von Britannien aus in dreitägiger Schiffahrt zu erreichen iste, Pyteas lebte zur Zeit Alexanders des Grossen, im vierten vorchrist- lichen Jahrhundert, kam also zu einer Zeit nach Norddeutschland, wo die La Tène-Kultur bei uns in hoher Blüte stand. Der Bernstein wurde namentlich zu Schmuckstücken verarbeitet; die Friedberger Altertums- sammlung besitzt zwei einem Grabe entnommene Bernsteinringe, die auf- gereiht als Halsschmuck getragen worden sind.
Die Fülle der Beobachtungen, die über die Bewohner der La Tène- Zeit in unserem Lande gemacht worden sind, könnte nun leicht zu der Meinung verführen, dass dieses Volk mit Vorliebe die Ebenen aufgesucht und die Höhen gemieden habe; dem ist aber nicht so. Es kann nach den Forschungen des Frankfurter Architekten Ch. E. Thomas(S. Bericht über den 2. Verbandstag u. s. w. 1902 S. 23) keinem Zweifel mehr unter- liegen, dass die Ringwälle im Taunus(Hausberg bei Butzbach, Gickels- burg bei Homburg, Altkönig bei Ober-Ursel und sonst) keltische be- festigte Plätze gewesen sind und zwar solche, die nicht als gelegentliche Zufluchtsstätten dienten, sondern dauernd bewohnt waren; dafür sprechen nicht nur die Wohnanlagen, Gräber und Ringmauern, sondern auch die Funde von keltischem Gelde(sog. Regenbogenschüsselchen), die allent- halben gemacht worden sind. Interessant aber sind die Untersuchungen von Thomas besonders um deswillen, weil er nachgewiesen hat, dass der Bau der Befestigungs-(Ring-) Mauern in den keltischen Taunus- städten gradeso aus Steinen mit Holzverband hergestellt worden ist, wie ihn uns Cäsar(VII, 23) bei der Belagerung von Avaricum geschildert hat: Trabes directae porvetuae in longitudinem paribus intervallis, distantes inter se binos pedes, in solo collocantur. hae rercinciuntur introrsus et multo aggere vestiuntur, ea autem, quae dicimus, intervalla grandibus in fronle


