Aufsatz 
Die Altertumssammlung des Friedberger Geschichtsvereins und ihre Verwertung in der Schule : 1. Teil. Die prähistorischen Altertümer / von Paul Helmke
Entstehung
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Der Grösse der La Tène-Ansiedlungen um Bad Nauheim ent- sprechend ist auch der grosse Friedhof, der sich dort befindet. Es ist bezeichnend für den Umschwung der Verhältnisse in dieser Periode, dass die Art der Bestattung ganz anders geworden ist: Brand- und Skelettbestattungen, Hügel- und Flachgräber finden sich gleichmässig. Ein Hügelgrab, das die verbrannten Reste eines Galliers(vielleicht eines Häuptlings) barg, wurde im von Frankensteinischen Walde bei Ockstadt geöffnet; neben dem Scheiterhaufen war eine gewaltige Steinkiste er- richtet, in der die Asche des Toten beigesetzt war; über dem Ganzen erhob sich ein Erdhügel.

Gleiche Hügel liegen bei Holzhausen v. d. H. im Walddistrikt Spiess und im Rodheimer Wald. Ob die Grabhügel im Stammheimer und Echzeller Wald derselben oder einer früheren Zeit angehören, wird eine spätere Untersuchung lehren müssen. Ganz anders ist die Bestattungs- weise auf dem grossen Spät-La Tène-Friedhof, der sich jenseits des Nauheimer Bahnhofs im sogenannten Goldstein bis zur südlich davon liegenden Ziegelei erstreckt; hier hat der verdiente Friedberger Archä- ologe Gustav Dieffenbach 1878/82 ein aus weit über 100 Funden be- stehendes Gräberfeld untersucht, das durchweg Brandbestattungen in Flachgräbern enthielt. Diese Funde sind in die Museen von Darmstadt und Frankfurt gewandert(S. Quilling,»die Nauheimer Funde in den Museen zu Frankfurt a. M. und Darmstadt 1903), geben aber eine solche Fülle von Urnen, Töpfen und Eisengegenständen und in so charak- teristischen Formen, dass man von einem besonderen Nauheimer Typus der La Tène-Zeit sprechen darf. Andrerseits kommen Skeletthügel- gräber dieser Zeit in Rheinhessen(Wachenheim und Friesenheim) und in Starkenburg(Lorscher Wald) vor, und Koflfer(a. a. O. III S. 100) vermutet, dass»die grosse Gruppe von Hügelgräbern auf der Au bei Bönstadt und Wickstadt(1844 untersucht) nur Skelettgräber enthalten hat«. Ham- meran,»Urgeschichte von Frankfurt a M. und der Taunusgegend 1882⸗ S. 6, hebt hervor, dass im Frankfurter Stadtwalde ausschliesslich Hügel- gräber mit Skelettbestattung gefunden worden sind. Noch ein grosses La Tène-Totenfeld mit Brand-Flachgräbern ist als bei Steinfurt gelegen zu erwähnen; aus diesem stammt ein mit Knochenresten gefülltes Gefäss der Friedberger Sammlung, das genau dieselben Formen zeigt wie die Nauheimer Graburnen. Aus demselben Orte hat auch das Butzbacher Museum einen Satz von drei in einander stehenden Urnen erhalten, von denen das kleinste die Aschenreste enthielt. Ferner besitzt die Fried- berger Sammlung fünf napfartige Gefässe mit kleinem, gewölbtem Fusse, die einem Gradfunde bei Bad Nauheim entstammen und in Klumpen geballtes, geschmolzenes Eisen enthalten.