— 8—
wird, ihm abzuhelfen. Und dazu bietet die Sammlung des Geschichts- vereins trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens schon hinreichendes Ma- terial. Sie sagt uns über die Wohnart, die Bauweise und die Lebens- führung unserer Vorfahren sowohl als über den Zustand unseres Heimat- landes soviel, dass die nicht allzu günstige Meinung der Schüler über ihr Vaterland der Urzeit geändert und ein freundlicheres Bild desselben hervorgerufen werden kann.
Was wir aus der Vorzeit über Deutschland und seine Bewohner wissen, das verdanken wir also hauptsächlich dem Boden; wunderbar ist es, mit welcher Treue er alles erhalten hat, was ihm vor Tausenden von Jahren anvertraut worden ist; und er spricht mit seinen Schätzen beredter zu uns, als es vielleicht eine Beschreibung vermöchte. Man darf, um dies zu erkennen, nur an die Aufklärung der römischen Ver- hältnisse bei uns denken: Wie die Beschreibung eines Bildes nie seine Betrachtung zu ersetzen vermag, so konnten die vorhan- denen römischen Schriften über Kastell- und Limesanlagen keine Klar- heit schaffen, bis die im Boden verborgenen Trümmer dieser Bauten ans Licht gebracht wurden. Ahnlich so steht es mit der germanischen Vor- zeit: Zwar die Beschreibung fehlt, aber der Boden und sein Inhalt redet, und um so deutlicher, als wir gezwungen sind, ihn reden zu machen. So sind wir genötigt, uns viel tiefer mit dieser Art der Altertümer zu befassen, uns viel inniger in sie zu versenken, da wir aus ihnen selbst die fehlende Beschreibung suchen müssen.
Man unterscheidet eine Anzahl grösserer Zeitabschnitte, die durch das Material gekennzeichnet sind, aus welchem sich die Menschen ihre Werkzeuge und Waffen herstellten, und bezeichnet diese Abschnitte teils nach dem Material selbst, teils nach den Hauptplätzen, wo sich ein grösseres Fundgebiet der betreffenden Zeit gezeigt hat; es kann hier nicht unsere Sache sein, den Untersuchungen der Anthropologie zu folgen, die den Nachweis führt, dass den einzelnen Zeitperioden auch gewisse, ihrem Schädel- und Körperbau nach von einander verschiedene Menschenrassen entsprechen. Jedenfalls aber ist es von grösster Wich- tigkeit, dass diese Wissenschaft gefunden hat, dass von Zeit zu Zeit grosse Verschiebungen einzelner, mit einander nicht verwandter Völker stattgefunden haben, Verschiebungen, die nicht nur jedesmal anders ge- baute Menschen, sondern auch andere Sitten und Gewohnheiten, andere Kultur, Religion und Sprache in unsere Gegend brachten.
Diese Zeitabschnitte sind folgende:
1. Die ältere Steinzeit(paläolithische Zeit).
2. Die jüngere Steinzeit(neolithische Zeit).
3. Die Bronzezeit.


