Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Bild wird nur gar zu leicht abgeschwächt. So kommt es, daß sich mancher Schüler recht enttäuscht fühlt.

Die bildliche Darstellung muß einen bestimmten Gesamteindruck gewinnen lassen. Nur ein lebens- und bewegungsvolles Schlacht- bild kann einen willkommenen Anblick gewähren. Das Knack- Jußsche Bild entspricht dieser Forderung. Erst wenn die Schüler die Auffassung des Künstlers in ihrer Gesamtheit auf sich haben wirken lassen, kann man auch daran gehen, die griechische und persische Bewaffnung im einzelnen miteinander zu vergleichen. Der Knackfußsche Entwurf, der ja auf antiken Denkmälern be- ruht, ebenso die Cybulskischen Bildertafeln, in Verbindung mit den Ausführungen bei Delbrächl) werden gute Dienste leisten. Auf diese Dinge kommt man später im Geschichtsunterricht bei der Schlacht von Carrhä und in der Frage über die Ursachen der römischen Niederlage zurück.

Bei dieser Gelegenheit sei auch ein Urteil erlaubt über das Kaulbachsche Bild der Schlacht von Salamis. Es ließe sich sogar für zwei Schlachten verwenden. Denn die wohlgelungene Zeichnung des vor Enttäuschung und Wut vom Thron aufspringenden Königs stellt auch einen Vorgang während des Ringens in den Thermopylen dar. Aber wir müssen leider Kohl2) recht geben, wenn er meint, daß das Kaulbachsche Bild«mit seinen vielen Frauen nur ver- wirrend und trübend wirkt».

Die Kapitel 117 und 118 werden als minder wichtig aus- gelassen. Kap. 119 beschäftigt sich mit dem Schicksal der ge-K. 119. Jangenen Eretrier. Der Gegenstand selbst, die zuwangszweise vollführte UÜbersiedelung in ein fremdes Land ist nicht neu. Besonders bei den Persern war sie eine sehr beliebte Regierungsmaßregel. Das Exil der Juden zu Babylon kann zum Vergleich herangezogen werden. ²) Ferner macht Liv. I, 29, wo die Einwohner von Alba Longa nach Rom auswandern müssen, mit einem ähnlichen Vorgang bekannt. Die Verpflanzung der Sachsen nach anderen Gauen Deutschlands gehört ebenfalls hierher.

In Hinsicht auf die Thatsache, daß hier ein Xleiner Volksteil im fernen Ausland seine Muttersprache nebst vaterläündischen Sitten treu bewahrt(Herodot hebt dies ausdrücklich hervor: n4ſp 8 50 sINOv TI JG TaAT, bNAoytec-y Nin 1XOGav. Ubrigens war es schon das zweite Geschlecht der dort Angesiedelten, das Herodot kennen lernte. Dann ist das treue Festhalten am Heimischen allerdings sehr bemerkenswert. Vgl. Stein, Ausgb. d.

¹) Vgl. Delbrück, a. a. O., S. 1 43.

²) Kohl, Griechischer Unterricht(Rein, Encyklop. Handbuch der Pädag.), S. 55.

³) Vgl.«Das Exil der Juden zu Babylon und das Exil der Eretrier zu Ekbatana» in«Deutsche Aufsätzey von Jonas, Berlin, Gaertner, S. 42 ff.