Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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Der schroffe Gegensatz zwischen den Berichten des Herodot und des Nepos besteht zunächst darin, daß es sich nach letzterem um eine Defensivschlacht der Griechen handelt, die offenbar einem Zusammenwirken der persischen Bogenschützen und Reiter aus dem Wege gehen wollten.

Bei Herodot ist davon keine Rede. Ferner läßt Nepos die persische Reiterei am Kampfe teilnehmen; Herodot erwähnt sie gar nicht. Und doch sind nach seiner eigenen Mitteilung besondere Transportschiffe für Pferde gebaut worden. Bei Eretria haben die Perser nichts Eiligeres zu thun, als ihre Reiterei ans Land zu setzen (απεοαυm εαιςα εαά aνa tA& ia doriua Tοεα aXNvTo, Kap. 101). Auch die Ebene von Marathon ist eigens zu dem Zweck eines Reiterangriffs ausgesucht worden(Kap. 101). Deswegen haben sich auch nach Herodot die Perser selbst gewundert, daß die Griechen ohne Reiterei eine Schlacht wagen wollten(Kap. 112). HWo zwar also die Reiterei geblieben, und was ist mit ihr geschehen, auf deren Ver- wendung die Perser die größte Hoyfnung setzten?

Bei keinem einzigen Schriftsteller ist die Rede von einer Beute an Pferden, die doch für die Griechen äußerst wertvoll gewesen wäre. Nepos spricht wenigstens von einer starken Verwendung der Reiterei im Kampf(equitum decem milia in aciem produxit), ebenso von den durch die Griechen getroffenen Vorsichtsmaßregeln.

Dagegen weiß Nepos nichts von einer Entfernung von acht Stadien(2400 Schritt), welche die Griechen nach Herodot bei der Gefechtsentwichlung im Laufschritt zurückgelegt haben sollen.

Mit welchen Erwägungen und Berichtigungen muß hier ein- geschritten werden? Diese Frage beschäftigt den spekulativen Sinn auch des Schülers in hohem Maße.

Ein Eingreifen der Reiterei hat jedenfalls nicht stattgefunden; sonst hätte sich Herodot die Schilderung dieses Teiles der Schlacht, als des vielleicht interessantesten, nicht entgehen lassen. Die Be- merkung des Nepos müssen wir demgemäß als wertlos fallen lassen; sie wird wohl auf einem Mißverständnis beruhen. Ebenso wird es sich mit dem angeblichen Dauerlauf von acht Stadien bei Herodot verhalten. Vielleicht hat sich die erste Verfolgung der Perser durch die Griechen soweit erstreckt. Eine solche Leistung ist eine physische Unmöglichkeit. Zudem wäre dieser Dauerlauf zum größten Teil zwecklos gewesen, denn er bätte die Griechen gan⸗ unnötig ermattet und erschöpft. Berechtigt war er erst, wie die Griechen in den Bereich der feindlichen Schußwaffe kamen. Ihrer verderblichen Wirkung sollte möglichst wenig Zeit gegeben werden.

Seine volle Richtigkeit wird es dagegen nach inneren, aus der Lage der Dinge entnommenen Gründen mit der von Nepos über- lieferten Defensiv-Offensivschlacht haben. Man muß sich nur vor- stellen, daß die Begriffe von Defensive und Offensive dem Vertreter