Aufsatz 
Ein Beitrag zur Behandlung der deutschen Literaturgeschichte in den höheren Schulen / von Carl Heinze
Entstehung
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II. Von Opitz bis Gottsched. Vor Opitz.

1. Vereinzelte Anfünge. Anregungen aus Frankreich(Ronsard. Scaliger) und Italien(Vers und Strophe). Reinere Form in Sprache und Metrik. Dichter in der Pfalz und am Oberrhein.

1556. Erstes Sonett von Worsung.

1563. Ubersetzung der Psalmen von Marot und Beza durch Lobwasser und Schede.

Johann Rudolf Weckherlin. Seit 1621 in England(Vorgänger von John Milton). Drumb gehet tapfer an, ihr meine Kampfgenossen.

1616. Poetik von Ernst Schwabe von der Heide in Frankfurt a. M.(nicht erhalten).

1624. Martini Opitzii, Teutsche Poemata, herausgegeben von Zinkgref in Heidelberg. Anhang: Deutsche Gedichte von Opitz.

2. Die Sprachgesellschaften. Vorbild: Academia de la Crusca(Kleie) Florenz. Académie Française. Paris. Anfänge eines Wörterbuchs. Kampf gegen die Provin- zialismen.(Poetisch unbedeutend z. B. Bekämpfung von Tasso und Corneille.) Zweck: Pflege eines reinen und guten Stiles. Deutsche: Grammatik, Orthographie, Über- setzungen, Poetik, Poesie, Sprachreinigung. Außere Form: Namen der Mitglieder aus dem Pflanzenreiche oder der Schäferpoesie. Devisen. Orden.

1617. Fruchtbringende Gesellschaft oder Palmenorden, begründet in Weimar. 970 Mitglieder. Blüte unter Fürst Ludwig von Anhalt-Cöthen. UÜbersetzer: Dietrich von dem Werder.(Tasso, Ariost.) Grammatiker Schotteldius). Ausführliche Arbeit von der deutschen Hauptsprache.(Opitz erst 1629 aufgenommen.*)

1643. Deutsch gesinnte Genossenschaft. Hamburg. Philipp von Zesen.

1644. Blumenorden von der Pegnitz. Nürnberg(besteht noch jetzt). Klai, Hars- dörffer.(Frauenzimmergesprächspiele, Nürnberger Trichter.)

1660. Elbschwanorden. Hamburg. Rist.

Diese Bestrebungen faßt geschickt zusammen:

1597 1639. Martin Opitz.* Bunzlau am Bober. Gymnasium Breslau. Aka- demisches Gymnasium Beuthen. Universität Frankfurt a. d. Oder, Heidelberg. Seit 1623 in diplomatischen Geschäften in Schlesien. 1626 im Dienste des Freiherrn von Dohna(des Feindes der Protestanten), dann beim Herzog von Liegnitz und Brieg. 1639 als Hofhistoriograph Wladislaus IV. in Danzig.

Werke(Pflege fast sämtlicher Gebiete): 1616 Sammlung lateinischer Gedichte. 1617 Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae. 1624 Buch von der Poceterei. Lyrik: Poetische Wälder. Gelegenheitsgedichte.(Ich empfinde fast ein Grauen.) Lehr- gedicht: Trostgründe in den Widerwärtigkeiten des Krieges. Idyll: Zlatna, von der Ruhe des Gemütes(entstanden in Siebenbürgen). Schäferdichtung: Schäferei von der Nymphe Hercynia. Beschäftigung mit älterer Literatur: Annolied(nur in dieser Aus- gabe erhalten). Oper: Daphne(komponiert von Heinrich Schütz).

*) Dies zeigt die Unabhängigkeit der Gesellschaften von Opitz. Die Geschichte der Gesell- schaften wird des Zusammenhanges wegen hier über seine Zeit hinaus weitergeführt.