Aufsatz 
Kosmologischer Gottesbeweis und Kant's Kritik der reinen Vernunft / Abhandlung des Gymnasiallehrers Heinrich
Entstehung
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Einleitung.

Duprema ler Dei voluntas. Das oberste Gesetz ist Gottes Wille.Supremus debendi kitulus Deus. Der letzte Grund aller Verpflichtung ist Gott. Die Wahrheit, die in diesen beiden Sätzen ausgesprochen ist, enthält die Voraussetzung des sittlich guten Lebens für die einzelnen Personen sowie jeder staatlichen Ordnung und darum des Bestehens und Gedeibens der menschlichen Gesellschaft überhaupt.

Giebt es keinen ewigen, allmächtigen Gott, der als Schöpfer aller ausser ihm existierenden Wesen der absolute Herr und darum der höchste Gesetzgeber und als der unendlich Vollkommene und darum Allheilige der letzte und oberste Grund des Unterschiedes zwischengut undbös ist so besteht für den Menschen durchaus keine Verpflichtung und kann von Tugend und Laster überhaupt nicht mehr geredet werden. Der kategorische Imperativ, wie Kant die Thätigkeit des vorhergehenden Gewissens nennt, kann den Menschen nur dann verpflichten, wenn er der Aus- druck des Willens desjenigen ist, der die Macht hat, allen zu gebieten. Das Gute ist nur des- halb gut, weil es dem Wesen und Willen des unendlich vollkommenen Gottes entspricht. Des- gleichen ist das Böse darum bös, weil es der Allheiligkeit Gottes widerstreitet.

Giebt es keine höchste und ewige Majestät, so ist auch keine Majestät irgend eines Gesetzes vorhanden. Jede Obrigkeit kann nur dann Gehorsam als Gewissenspflicht verlangen, wenn sie von Gottes Gnaden, d. h. von Gott gesetzt ist.

Der theoretische Atheismus muss deshalb, wenn er folgerichtig in der Praxis geübt wird, zum Niedergang aller Sittlichkeit und zur Zerstörung jeder staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung führen.

Auf welchem Wege aber gelangen wir zur Urkenntnis Gottes, zur unerschütterlichen Gewiss- heit seines Daseins?

Verschiedene falsche Theorien sind, wenn auch in guter Absicht, in Beantwortung dieser Frage aufgestellt worden.

Der falsche Supranaturalismus erklärt die durch den Glauben erfasste übernatürliche Offen- barung als einzige Quelle der Gotteserkenntnis. Aber der Glaube, den der Mensch dem sich offen- barenden Gotte schuldet, setzt die UÜberzeugung von Gottes Dasein schon voraus.

Der Traditionalismus behauptet, nur durch Unterricht könne der einzelne Mensch zur Einsicht der Existenz Gottes gelangen. Die Überlieferung allein erhalte im Menschengeschlechte die ursprüng- lich geoffenbarte Wahrheit, dass es einen Gott giebt. Allein der Unterricht kann zur Verstandes- erkenntnis, zur Einsicht in die innere Gewissheit einer Lehre nur dann führen, wenn er, an- knüpfend an schon vorhandene Begriffe und sichere Erkenntnisse, folgerichtig den Beweis für die Wahrheit der neu vorgetragenen Behauptung führt.