Aufsatz 
Das Verhältnis von Goethes "Romeo und Julia" zu Shakespeares gleichnamiger Tragödie / von G. R. Hauschild
Entstehung
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Daraus folgt für die schwächeren Schüler, daß sie sich lieber keine Aufgaben erbitten sollen, die von den Schulfächern ganz abseits liegen. Die Studientage sollen zwar keineswegs der Vorbereitung auf die Reife- prüfung dienen, aber niemand ist gehindert, sich Aufgaben aus einem solchen Gebiete zu erbitten, das auch für die Reifeprüfung Früchte trägt.

Sodann heißt studieren arbeiten, nicht genießen, und keinen andern Genuß sollen die Studientage bieten, als den, welchen redliche und sorgsame Arbeit dem freien Arbeiter immer gewährt. Also das bloße Lesen etwa eines leichteren französischen Prosawerkes oder eines deutschen Buches, sei es auch wissenschaftlichen Inhalts, kann nicht die Aufgabe eines Studientages sein; das Minimum des in einem solchen Falle zu Leistenden ist ein sorgfältig gegliedertes Exzerpt; und wie schwer es ist, selbst eine leichtere Schrift so zu exzerpieren, daß die dem Autor vorschwebende Gliederung klar hervortritt, hat mehr als ein Primaner im letzten Schuljahre an sich erfahren. Bei der Lektüre schwierigerer fremdsprachlicher Werke, insbesondere aus den alten Sprachen, soll sich der Schüler bewußt bleiben, daß ihm nur die Herausarbeitung einer völlig deutschen Ubersetzung, nicht aber die des völligen Verständnisses hier erlassen ist; sowie wir dies täten und dem Primaner ein rasches Durchfliegen halb verstandener Lektüre verstatteten, würden wir ihn schädigen, statt ihn zu fördern.

Endlich sollte jeder Schüler sich bewußt sein, daß es auch hier, wenn die Arbeit Ertrag bringen soll, gilt, im kleinsten Punkte die größte Kraft zu sammeln. Mindestens der Oberprimaner sollte sich ganz klar darüber sein, welches Arbeitsgebiet für seine Kraft das geeignete ist, und dann eine Reihe von Studientagen einer größerer Arbeit widmen. Es war vor Einführung der Reifeprüfung am Frankfurter Städtischen Gymnasium Brauch, daß die Primaner im letzten Jahre ihres Hierseins eine größere selbständige Arbeit, gleich den Vale- diktionsarbeiten von Schulpforta, einlieferten; wer die Begabung dazu besitzt, sollte auch heute, wo ihm durch die Studientage die Zeit dazu gegönnt ist, das Gleiche von sich fordern. Während des letzten Schuljahres haben folgende Oberprimaner derartige Arbeiten geliefert:

Ernst Baerwind O Ia: Inwiefern zeigen sich Spuren der Darwinschen Lehre über die Entstehung der Arten und die Abstammung des Menschen schon bei Lukrez? Heinrich Biel O Ia: Das Christliche und das Germanische in Goethes Iphigenie im Unterschied von der Euripideischen. Walter Lehmann O Ta: a) Die Epilepsie nach der Anschauung des Hippokrates(U. v. Wilamowitz, Gr. Lese- buch S. 270 ff.) und nach der geschichtlichen Darstellung von Kußmaul. b) Die Anschauungen über eine gesunde Lebensführung im 4. Jahrhundert v. Chr. und im Beginn des 19. Jahrhunderts n. Chr., dargestellt nach Diokles von Karystos(U. v. Wilamowitz, Gr. Lesebuch S. 279 ff.) und derMakrobiotik Hufelands. Carlos Philippe O Ia: a) Julius Caesar von Shakespeare und La mort de César von Voltaire. b) Mahomet von Voltaire und von Goethe.

Hans Schaal O Ta: Homers Doloneia und die Tragödie Rhesos. Georg Schott O Ta: Die Vampirsage in Geschichte und Literatur.

Friedrich Goebel O Ib: Inwiefern läßt sich der Taciteische Bericht über Tiberius in den von uns gelesenen Ab- schnitten der Annalen aus Sueton und Dio Cassius ergänzen? Carl Hüttenbach O Ib: Was dankt Winckelmann Dresden?

Fritz Oppenheimer O Ib: Die Geschäftsordnung des römischen Senats und die des deutschen Reichstags.