XVII
D. XII a. 15. Wählet euch nun selbst(durch Handaufheben) Bischöfe und Diakonen, die des Herrn würdig sind: sanftmütige und nicht geldgierige und wahrhaftige und bewährte Männer. Denn sie leisten euch denselben Dienst wie die Propheten(Wander- prediger) und Lehrer. Sehet also nicht verächtlich über sie hinweg; denn es sind Angestellte von euch samt den Propheten und Lehrern.
f) Gemeindezucht.
N. A.(Matth. 18. 15 ff.): Sündiget aber dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein. Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zwei zu dir, auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Höret er die nicht, so sage es der Gemeine. Höret er die Gemeine nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner.
D. XII a. 15. Weiset einander zurecht nicht im Zorn, sondern im Frieden, wie es im Evangelium steht. Und wer gegen den andern sich vergangen hat, mit dem soll keiner sprechen und der soll nichts von euch hören, bis er anderen Sinnes geworden ist. Gebete aber und Almosen und alles, was ihr thut, thut so, wie es im Evangelium unsres Herrn steht.
VI. Juristische(und innere) Widersprüche und Bedenken bei der Behandlung der Christen nach dem Edikte Trajans.
Tertullianus apologeticus 1 ff. Aber, sagt man, es ist etwas deshalb noch lange nicht etwas Gutes, weil es viele bekehrt. Denn wie viele lassen sich nicht für das Schlechte ge- winnen; wie viele giebt es nicht, die zu etwas Verkehrtem abschwenken? Das leugnet gewiß niemand. Aber
1. die Christen benehmen sich vor Gericht nicht wie andre Verbrecher.
Aber trotzdem wagen selbst diejenigen, die etwas wirklich Schlechtes mit fortreißt, nicht es für etwas Gutes auszugeben. Auch haftet an allem Schlechten schon ein gewisser natür- licher Anstrich von Furcht oder von Scham: die Verbrecher trachten danach, verborgen zu bleiben, scheuen das Tageslicht, zittern, wenn sie ertappt sind, leugnen, wenn sie angeklagt sind und legen selbst auf der Folter nur schwer oder nie ein Geständnis ab; gewiß ist nur das, daß es sie schmerzt, wenn sie verurteilt werden. Sie wälzen die Schuld auf einander ab oder machen für die Triebe ihrer schlechten Gesinnung das Schicksal oder den Himmel ver- antwortlich; denn sie wollen selbst nichts mehr mit dem zu thun haben, was sie nachträglich als etwas Schlechtes anerkennen müssen.
Bei den Christen ist es aber nicht so; da ergreift niemanden Scham, niemanden Reue. außer darüber, daß er es nicht immer schon gewesen ist. Wird er denunziert, so freut er sich; wird er angeklagt, so verteidigt er sich nicht; wird er verhört, so legt er sofort ein freies Geständnis ab; ist er verurteilt, so sagt er Dank. Was ist das für eine Schlechtigkeit, welche das Charakteristische des Schlechten nicht an sich trägt, wie Furcht, Scham, Fahnen- flucht, Reue, Klage? Was ist das für eine Schlechtigkeit, deren sich der Angeklagte freut? deren angeklagt zu werden er wünscht, für die bestraft zu werden er sich glücklich preist?
Man kann etwas nicht Verrücktheit nennen, wenn man es nachweislich nicht kennt. * 3


