Aufsatz 
Beiträge zu einem Quellenlesebuche für die Kirchengeschichte
Entstehung
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Beiträge zu einem Quellenlesebuche für die Kirchengeschichte. Von Professor G. R. Hauschild.

l. Für die alte Kirchengeschichte.

Für den Unterricht in der Kirchengeschichte ist durch die neuen Lehrpläne eine im Vergleich zu früher wesentlich kürzere Zeit bestimmt worden. Diese dürfte für das so weite und so viele Beziehungen umfassende Wissensgebiet auch dann kaum ausreichen, wenn man einiges aus den der Unterprima vorausgehenden Lehraufgaben als Ergänzung und Vorbereitung des eigentlichen kirchengeschichtlichen Pensums ansieht, wie z. B. die Belehrungen über das Kirchenlied, das Kirchenjahr, die gottesdienstlichen Ordnungen, Luthers Leben und die Apostelgeschichte. Denn bei dem sonstigen Bildungsstande der betreffen- den Klassen würde der spätere kirchengeschichtliche Unterricht selbst wohl kaum eine nach- haltige Förderung im Allgemeinen, noch auch für diese Spezialitäten schon eine zusammen- fassende und abschliessende Behandlung im Besonderen erfahren können. Ganz besonders aber würde derjenige Teil der Kirchengeschichte dabei zu kurz kommen, welcher als der wichtigste anzusehen ist, weil er der grundlegende ist. Das aber ist die alte Kirchen- geschichte: denn ohne die ursprüngliche Gestaltung zu kennen, kann man ebensowenig zum Verständnis für die Möglichkeit einer allmählichen Umgestaltung gelangen, wie ein Gefühl für die Notwendigkeit einer endlichen Neugestaltung bekommen. Ja, wenn auch uns evange- lischen Christen die Stimmen der alten Väter noch kein leerer Schall geworden sind und werden dürfen; wenn die Beschlüsse der ersten Synoden und Konzilien ihre Bekenntniskraft auch für uns noch nicht verloren haben und verlieren werden, so können und dürfen wir ihre Kenntnisnahme auch jetzt noch nicht so ohne Weiteres von der Hand weisen. Ich sage: auch jetzt noch nicht, obgleich die Lehrpläne uns von dem Judenchristentum aus über die Paulinische Auffassung von Person und Werk Christi hinweg sofort auf Augustinus zu verweisen scheinen scheinen: denn wir wissen nach den höheren Orts gegebenen Erklärungen ¹), daß die Lehraufgaben, wenn sie auch zunächst nur das unbedingt zu Behandelnde namentlich auf- geführt haben, nicht so zu verstehen sind, als ob das dort Nichtgenannte auch sonst nicht behandelt werden dürfte. Immerhin würde der grosse Sprung von Paulus zu Augustin darauf hinweisen, dass die dazwischenliegende Zeit in der schulmäßigen Behandlung nicht allzu-

¹) über die erste vgl. die Zeitschrift für evangelischen Religionsunterricht, III. Jahrgang, S. 285 f. 1*