Zum Unterricht in den neueren Sprachen. Von Prof. Dr. Josef Caro.
—
Es hiesse, Eulen nach Athen bringen, wollte ich in einem Fachblatte einen Bericht über die sogenannte Reformmethode erstatten. Meine Ansicht über diese Behandlung der neueren Sprachen habe ich, abgesehen von gelegentlichen Bemerkungen an verschiedenen Stellen der „Zeitschrift für Neuere Sprachen“, bereits vor neun Jahren in der Beilage zur„Allgemeinen Zeitung“ vom 10. Oktober 1899 zum Ausdruck gebracht. Wenn ich manches davon hier wiederhole, so geschieht es, um einem weiteren Publikum, besonders den Eltern der uns an- vertrauten Schüler, einen Einblick in den jetzigen Betrieb des Französischen und Englischen zu gewähren.
Friedrich Paulsen, Professor der Philosophie und Pädagogik an der Berliner Universität, durch seine Teilnahme an allem, was die Schule, Lehrer und Schüler betrifft, rühmlichst bekannt, also gewiß eine Autorität auf diesem Gebiete, hat anlässlich der Be- sprechung der Schrift UIlIrichs(Programmwesen und Programmbibliothek der höheren Schu- len. Berlin 1908, Weidmann’'sche Buchhandlung) in der„Monatschrift für höhere Schulen“ von Köpke und Matthias 1808 S. 235 eine Lanze für die Programmabhandlungen der Schulen gebrochen und stimmt UIlrich bei, daß noch immer diesen Abhandlungen eine Bedeutung bei- zumessen ist, sofern sie nur richtige Punkte entwickeln, sofern sie„die geistige Vermitt- lung zwischen Schule und Publikum“ bilden. Und so wende ich mich auf den folgen- den Seiten weniger an die Fachgenossen als an die Eltern. Wie oft habe ich selbst von Seiten bekümmerter Mütter und selbstbewusster Väter die Fragen und Ausrufe hören müssen: „Ist die neue Methode nicht zu schwer? Lernen die Jungen genügend Grammatik? Man kann den Kindern nicht mehr so gut wie früher nachhelfen. Die Lehrlinge machen in fran- zösischen und englischen Briefen jetzt mehr Fehler als in der alten Zeit“.
Eine Programmabhandlung vermag auch eingehender als kurze Zeitungsnotizen die in Betracht kommenden Punkte zu erörtern und ist gewiß eine berufenere Stelle für die Be- sprechung pädagogischer und methodischer Dinge als eine politische Tageszeitung, wo sie nur ein kurzes Dasein fristen, unter der Menge viel pikanterer und unter manchen interessan- teren Sujets fast verschwinden und, wenn überhaupt, flüchtig gelesen und noch schneller ver- gessen werden. Auch dürfte hier manches gestreift werden, was in den Jahresberichten vom Leiter der Anstalt wohl regelmässig betont, aber keiner Beachtung gewürdigt wird, weil eben die Namen der Abiturienten, die der Schule gemachten Geschenke, die meistens Personalien berührende Chronik die ganze Aufmerksamkeit der Eltern und Kinder auf sich lenken.
Was man gemeinhin unter Reform des neusprachlichen Unterrichts versteht, wurde vor etwa fünfundzwanzig Jahren durch die Schrift: Der Sprachunterricht muß um- kehren von Quousque tandem(dem Marburger Professor Wilhelm Vietor) angeregt. Vor sechzehn Jahren wurde die Reform, und zwar fürs Französische, unter Zugrundelegung des Lehrbuches der französischen Sprache von Rossmann und Schmidt mit Genehmigung


