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Waldeck ſelbſt hatte inzwiſchen in der Empfindnng, daß die Eröffnung der Kriegsoperationen durch Wurmſer nach dem Vorausgegangenen nicht allein ſeine Propoſitionen in zweifelhaftem Lichte erſcheinen laſſen müßte, ſondern ihn ſelbſt auch in den Augen des Königs bloß ſtellen könnte, unter dem 26. Auguſt ein Schreiben an Friedrich Wilhelm gerichtet, in welchem er zu ſeiner Entſchuldigung auf das feſteſte verſichert, er ſei in dem vollen Glauben geweſen, alles ſei ſo zwiſchen dem General Wurmſer und dem preußiſchen Monarchen verabredet, und ihn bat die gerechte Ungnade weder auf ihn noch auf die kaiſerliche Armee fallen zu laſſen. ¹1) Die Antwort des Königs vom folgenden Tage läßt wegen ihrer ſehr allgemein gehaltenen Faſſung nicht mit Sicherheit entnehmen, ob das Schreiben Waldecks ſeinen Zweck erfüllt hatte.„Ich bin weit entfernt“, ſchrieb der König,„denjenigen einigen Unwillen empfinden zu laſſen, der ſolchen nicht erregt hat, in Gegenteil trage ich kein Bedenken Euere Liebden wiederholentlich zu ver⸗ ſichern, daß Ich mich ſtets bereitwillig finden laſſen werde, das Intereſſe der K. K. armée nach allen meinen Kräften zu befördern ohne mich durch einzelne Perſonen und derſelben Handlungen davon abwendig machen zu laſſen“.²) Es war natürlich, daß der Zorn des Monarchen ſich vornehmlich gegen Wurmſer richtete.) Wenn Waldeck recht unterrichtet war, ſo ſtellte der König ſogar in Wien das Erſuchen um Abberufung des Generals. Graf Lehrbach that dann durch ſeine diplomatiſchen Künſte das Seinige, um der Mißſtimmung des Königs gegen ſeine Verbün⸗ deten weitere Ausdehnung und größere Schärfe zu geben.
Welchen Vorteil die Franzoſen aus dieſem Hader der deutſchen Mächte zogen, iſt bekannt. Während am Rhein die Preußen zauderten und die Oſterreicher ihre Kraft in kleinen nichts entſcheidenden Gefechten zerrieben, fand Carnot Zeit, Frankreichs Heere zu organiſieren und ſeine Soldaten an den Krieg zu gewöhnen, um ſie dann am Schluſſe des Jahres unter einem genialen Führer mit vernichtender Wucht auf Wurmſers gelichtete Kolonnen zu werfen.
¹) Häußer, deutſche Geſch. I S. 499. ²¹) Arolſer Archiv. ³) Vgl. den Briefwechſel des Königs mit Wurmſer bei Wagner S. 84 ff.


