Aufsatz 
Das Stadtrecht von Messina / von Otto Hartwig
Entstehung
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18. Das Rechtsbuch der Lombardencolonie!) von Piazza stimmt mit dem von Caltagirone überein. Es enthält durchaus Nichts von lombardischem Rechte.

Die meisten der hier genannten, noch ungedruckten Stadtrechte Siciliens hat der Autor der Verfassungs- geschichte Siciliens, Rosario di Gregorio, in einem Sammelbande der Senatsbibliothek von Palermo, dem schon wiederholt erwähnten, Q. q. F. 55 gezeichneten Manuscripte vereinigt. Hier stehen die Consuetudines von Alcamo, Ca- tania, Syracus, Caltagirone, nochmals Trapani, Girgenti, Piazza, Paternò, Lipari, Castiglione, Corleone und Patti. Einzelnen von ihnen sind Commentare beigefügt.

§. 3. Das Verhältniss der Stadtrechte Siciliens zu einander.

Vergleicht man diese Statuten der sicilischen Städte mit einander, so wird man sofort finden, wie sich dieselben

¹) Nach der Eroberung Siciliens durch die Normannen kamen vom italischen Festlande eine Anzahl von Lombarden, welche sich im Inneren der Insel niederliessen. Gegen das Ende des 12. Jahr- hunderts waren dieselben so stark, dass sie 20,000 Krieger in das Feld zu stellen sich erboten. Noch jetzt sprechen die Bewohner der Städte Piazza, Nicosia, Aidone, San Fratello einen von dem sicilischen ganz abweichenden Dialekt,(Proben davon bei Vigo, Canti popolari Siciliani S. 49 u. f.), während dagegen sich in Randazzo, Sperlinga, Capizzi, Maniace, Corleone u. Ss. w., die einst gleichfalls eine lombar- dische Bevölkerung hatten, der Dialekt gänzlich verwischt hat. Es mag wohl das damit zusammen hängen, dass diese Colonieen ver- schieden stark waren und auch aus verschiedenen Gegenden stamm- ten. Graf Roger I. heirathete die Adelheid, die Tochter eines Grafen von Montferrat. Zwei Schwestern derselben und ein Bruder, der Graf Heinrich, kamen so nach Sicilien mit einem gan- zen Gefolge. Ob man diese Bevölkerung streng genommen lombardisch nennen kann, möchte ich bezweifeln. Sie nasaliren ganz wie die Piemontesen und damit stimmt überein, dass, wie mir Herr Dr. Th. Wüstenfeld mittheilt, nach unpublicirten Urkunden des Archivs von Savona, von der Riviera di Ponente ein Theil dieser Lombarden stammen muss. Unter Kaiser Friedrich II. siedelten sich dann um 1237, wahrscheinlich an Stelle der vertriebenen Saracenen, wirk- liche Lombarden aus Piacenza und Umgegend an. Winkelmann, Kaiser Friedrich II., Bd. II. S. 72, Anm. 3. Amari wird in dem demnächst erscheinenden dritten Bande der Storia dei Musulmanni in Sicilia klareres Licht über diese Verhältnisse verbreiten.