Erläuterungen zu Racines Phädra
von
Igna⸗z Harczyl.
C'est dans l'œuvre de Racine que la tragédie française arrive à sa supréèeme beauté et à sa plus grande perfection; c'est surtout chez lui qu'elle devient à la fois française et humaine, et qu'elle atteint à ce degré de vérité, de naturel, de profondeur, de ressemblance avec la vie, qu'on ne trouve chez aucun de ses prédécesseurs ni de ses successeurs.
Pierre Robert.
Paul Mesnard hat in seiner Racineausgabe, Bd. 3, 245— 298, die Ergebnisse eigener und fremder Forschung über die Phädra in anziehender Form ausführlich vorgetragen, so daß nichts Wichtiges und Wissenswertes dabei übergangen ist. Maßvoll und besonnen urteilt er über Racines Verhältnis zu seinem griechischen und rémischen Vorbilde und zu seinen französischen Vorgängern. Aber in einem Hauptpunkte konnte Racines ÜUberlegenheit vor Euripides, bei allem notwendigen Streben nach gerechter Abwägung des dichterischen Wertes der beiden Tragödien, schärfer hervor- gehoben und kräftiger betont werden. Ich meine die unverkennbare Verschiedenheit ihrer Auffassung von dem Wesen der Gottheit. Freilich, vor dem ältesten Kritiker des Euripides, vor Aristophanes, hätte auch Racine schwerlich bestanden, und sein Liebesdrama hätte vor dem Bewunderer des Aschylus keine Gnade gefunden. Aber wahrscheinlich hätte der Grieche auch wenig Verständnis gehabt für den das moderne Stück durchwehenden und erhebenden Gottesglauben, der auf sittenstrenge Männer, wie Antoine Arnauld, einen so tZiefen, versöhnenden Eindruck gemacht hat. Andererseits dünkt es uns kaum glaublich, daß die handgreifliche Roheit der groben Vorstellung von den göttlichen Eigen- schaften, wie sie uns im Hippolyt widerwärtig entgegentritt, dem Dichter selbst sollte völlig verborgen geblieben sein. Dem Euripides mußte sich doch die Empfindung aufdrängen, daß er in seiner Dichtung die Sage von Hippolyt zu einer vernichtenden Anklage gegen die Greuel des landläufigen Heiden- glaubens verarbeitet hatte; denn offenbar fällt Hippolyt als Opfer einer in ihrer Eitelkeit verletzten, rachgierigen Göttin, die eines solchen Namens gar nicht würdig ist, die niedriger gesinnt ist als der arme alte Sklave, der treuherzig meint, daß eine Göttin weiser sein müsse als ein sterblicher Mensch, als ein unbesonnener Jüngling. In Wirklichkeit aber sind die Menschen der griechischen Tragödie besser und edler, höher gesinnt als ihre Götter. Diese sind stärker, mächtiger, aber gewaltthätiger, schlechter, boshafter. Bei ihnen geht Macht vor Recht. Es ist geradezu hollische, teuflische Nieder- tracht, wie sie an Shakespeares Jago uns mit Entsetzen und Abscheu erfüllt, wenn eine himmlische


