27 zu gönnen. Er weiss am besten, was mir nutz und erspriesslich, auch seelig ist. Soll ich auf dieser Welt noch mehr und länger leyden, so wird Er meine Kräfte so vermehren und meine Strafe so lindern, dass ich solche kann ertragen und nach diesem Leben mich aus lautern Gnaden der ewigen Seeligkeit theilhaftig machen, die lieben Meinigen, absonderlich mein armes Weib und kleines Kind in seinen Gnaden-Schutz nehmen, dass sie an meinen Sünden kein Theil haben mögen und nicht darum mitbüssen müssen. Er bewahre sie durch seine Barm- hertzigkeit vor Noth, Gefahr der Ehren und Armut in diesem Leben, dass sie dadurch mögen in Zweifel gerathen und richte den Segen seiner Gnaden, darum Ihn heftigst erflehe, so ein, dass sie dadurch nicht in Frevel, Uebermuth und Laster gerathen, wodurch sie sich an Ihm ver- sündigen und seiner Barmhertzigkeit unwürdig werden möchten. Solches wolle Er thun, der grundgütige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist umb seiner ewigwährenden Barmhertzigkeit willen.“ Amen. Der Landgraf sollte sich in seinen Todesahnungen picht getäuscht haben. Wie er in seinem Leben nicht glücklich gewesen war, sollte ihm auch kein hohes Alter beschert sein. Das Jahr 1726 hatte für die fürstliche Familie in Hötensleben nicht glücklich begonnen. Im Januar befiel die Landgräfin eine schwere Krankheit, die das Schlimmste befürchten liess. Kaum war sie durch die Kunst der Aerzte glücklich wiederhergestellt, erkrankte das älteste Kind nicht unbedenklich, und auch ihr Gemahl hatte unter Kränklichkeit zu leiden. Nachdem am 31. Mai dem Land- grafen und seiner Gemahlin eine Prinzessin geschenkt worden war, die den Namen Ulrike Sophie Charlotte erhielt, ¹) hatte der Fürst im Juni die Freude, seine Schwester, die verwitwete Herzogin von Weimar in Hötensleben begrüssen zu können. Sie blieb mehrere Wochen zu Besuche, und ihr 54. Geburtstag ward nach Art der neuen„Bauernherrlichkeit“ im Garten mit mehreren Landedelleuten der Umgegend festlich begangen. Kurz nach der Abreise der Herzogin feierte 1 der Landgraf am 24. Juli im engsten Kreise den Namenstag seiner Gemahlin. Der schlichte Eintrag in seinem Tagebuch lautet:„den 24ten war Meiner lieben Tinel Namenstag und cele- 4 brierten wir solches ganz allein im Garten.“ Zu Anfang des Herbstes 1726 ²) hatte sich der Fürst auf die Hirschjagd nach Rätzlingen im Amte Oebisfelde begeben; dort befiel ihn am 9. September ein hitziges Fieber, und obgleich die Krankheit kein gefährliches Ansehen hatte, hatte der Landgraf doch sogleich Todesahnungen. Er kehrte nach Hötensleben zurück und gebrauchte alle zur Genesung dienlichen Mittel. Am 19. September schien der Landgraf wiederhergestellt und speiste an der Tafel; am 23. Sep- tember aber stellte sich das Fieber von neuem in verstärktem Masse ein. Er verlor das Be- wusstsein, und man erkannte das Hoffnungslose der Lage. Am 26. September kehrte vorüber- gehend das Bewusstscin noch einmal wieder: der Landgraf sprach mit seiner Gemahlin über seinen letzten Willen, versicherte unaufhörlich, dass er gewiss sterben werde, und schickte sich ergeben in Gottes Willen, der alles weislich geordinet habe. Am 3. Oktober befand sich der Fürst in Agonie, worin er 6 Tage zubrachte; am 9. Oktober früh morgens um 2 Uhr entschlief er unter den Gebeten der Umstehenden in seinem Herrn und Erlöser. Seipe Beisetzung erfolgte in dem Erbbegräbnisse seines Vaters zu IIomburg. Er selbst hatte bestimmt, dass sie alsbald und so wenig kostbar wie möglich geschehen sollte. Eine andere hierher gehörige Bestimmung seines Testamentes lautet:„Wegen meiner Beerdigung habe ich nie its zu erinnern, als dass ich bitte, mich in einem ordinären saubern Schlaf-Zeuge a peu pres vie s Leben getragen mit einem viereckichten Leinwandt eingewickelt in den U's Gott— seeligen Auferstehung einzulegen; und die Krankheit mag n Leib mit allerley unnötigen Sektionen zu verschonen, weylen
Aufsatz
Das Leben des Landgrafen Kasimir Wilhelm von Hessen-Homburg 1690-1726 : nach archivalischen Quellen dargestellt / von W. Hammann
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