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mancherlei Art machten. Aber wenn auch, abgeſehen von dieſen Hyperkritikern, eine ruhige und beſonnene Kritik Einzelnes in dem Wörterbuch Grimm's vielleicht anders verlangt, ſo iſt und bleibt es nichtsdeſtoweniger ein Fundamentalwerk für alle Zeiten, und wir können es getroſt ausſprechen:„Es werden Jahrhunderte vergehen, und die Lexikographie wird wohl, was Plan und Syſtem betrifft, ſchwerlich um einen Schritt weiter gefördert ſein, als ſie es bis jetzt durch das Grimm'ſche Wörterbuch iſt.“—
Dieſes Werk iſt das letzte der Fundamentalwerke Jakob Grimm's. Was er ſpäter noch von 1854 bis 1863) geſchrieben, ſind Schriften kleineren Umfangs und ſpezielleren Inhaltes, ſon beziehend auf Sprache, Literatur, Geſchichte, Mythologie, Rechtswiſſenſchaft. Wir ver⸗ zichten darauf, dieſelben näher anzuführen, weil ſie weniger in den Rahmen unſerer Dar⸗ ſtellung gehören, und weil ſie überdies, obgleich intereſſant und geiſtreich, doch nicht im eigentlichen Sinne epochemachend ſind, wie das Lexikon und die Grammatik Grimm's. Faſ⸗ ſen wir aber das, was er auf dem dreifachen Gebiete, welches wir oben bezeichnet, geleiſtet hat, in Einem Bilde zuſammen, ſo müſſen wir ſagen: Jakob Grimm gehört zu den größten Geiſtern, die je gelebt haben. Es gibt Sterne erſter Größe verſchiedener Art. Wenn wir Göthe einen Stern erſter Größe nennen, ſo bezieht ſich Das bei ihm einestheils auf ſeinen univerſellen Geiſt, anderntheils aber auch insbeſondere auf ſein Dichtergenie. Alexan⸗ der v. Humboldt iſt nicht minder als ein Stern erſter Größe zu bezeichnen, auf dem Gebiete der Naturwiſſenſchaft. So Jakob Grimm auf ſprachwiſſenſchaftlichem Gebiete.
Jakob Grimm iſt der Begründer der deutſchen Philologie, die ſich von nun an neben der altelaſſiſchen zu einer beſonderen Fachviſſenſchaft geſtaltete, und der ſich be⸗ reits große Talente gewidmet haben. Er iſt der Vater der germaniſtiſchen Studien, die jetzt auf unſeren deutſchen Univerſitäten zu ſtets größerer Blüthe ſich entfalten. Er hat der Wiſ⸗ ſenſchaft überhaupt und ſpeziell der Sprachwiſſenſchaft unberechenbaren Nutzen gebracht, in⸗ dem er dieſe in andere, beſſere Bahnen einlenkte und ſie ſo völlig neugeſtaltete.— Was uns aber Jakob Grimm noch beſonders groß und hervorragend erſcheinen läßt, was ſeiner intel⸗ lectuellen Größe die rechte Weihe und den rechten Werth verleiht, das iſt ſeine Größe als Menſch und als Staatsbürger. Grimm war Menſch in des Wortes ſchönſter Bedeutung. Gerade dasjenige, was Leuten ſeines Kalibers, gelehrten Forſchern ſo oft abgeht, das Ge⸗ müth, das war ihm in hohem Grade eigen. Er hatte Sinn für Freundſchaft, Sinn für Familienleben; obgleich ſelbſt nicht verheirathet, lebte er doch ganz in und mit der Familie ſeines Bruders Wilhelm. Er war ein Freund der Natur von früheſter Jugend bis in ſein ſpäteſtes Alter. Grimm beſaß auch diejenige Eigenſchaft des Herzens, die ſo recht den wah⸗ ren Gelehrten kennzeichnet, die Beſcheidenheit. Er erkannte lebhaft, daß, je tiefer der Menſch eindringt in das Gebiet der Wiſſenſchaft, er um ſo mehr ſeine Dürftigkeit und Mangelhaf⸗ tigkeit wahrnimmt. Fern von der Aufgeblaſenheit der Halbwiſſer, aber auch fern von dem ariſtokratiſchen Gelehrtenſtolze, hatte er den Grundſatz, fortwährend zu lernen.„Beſſer ge⸗ lernt, als gelehrt,“ war ſein Ausſpruch, den er auch in ſeinem ganzen Leben bethätigte. Sein ganzes wiſſenſchaftliches Leben und Wirken war, ſo zu ſagen, eine fortwährende Cor⸗ rectur und Reformation ſeiner Anſichten. Er war ſich ſelbſt Lehrer und Schüler. Daher auch die auffallende Erſcheinung, die allerdings nicht lediglich auf Koſten ſeiner Beſcheiden⸗ heit zu ſetzen, ſondern auch einem ihm innewohnenden Mangel an Lehrhaftigkeit zuzuſchreiben iſt, daß unter den jetzigen hervorragenden Vertretern der deutſchen Philologie wohl kaum Einer ſich finden dürfte, der ein perſönlicher Schüler Jakobh Grimm's geweſen. Es lag


