Aufsatz 
Die Verwendung unserer Münzensammlung im Geschichtsunterricht
Entstehung
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Die Verwendung unserer Münzensammlung

im Geschichtsunterricht. Von Prof. Dr. c. Hahn.

Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist eine Reihe von überaus dankenswerten und anregenden Abhandlungen, zumeist in Gymnasialprogrammen, erschienen, die sich die Aufgabe gestellt hatten, die Münzkunde für die Schule nutzbar zu machen.¹) In der Mehrheit be- schränkten sie sich dabei auf das Gebiet des Altertums, manche sogar zogen nur die römischen Münzen in den Kreis ihrer Darstellung. Nur Kirmis(Progr. Neumünster 1888) gewährt auch dem Mittelalter und der Neuzeit Raum. Fast allen aber schwebt als Ziel vor Augen, der Numismatik im Unterricht ein Plätzchen zu erobern, sei es auch nur bei gelegentlichen Vertretungsstunden. Einer Einführung der Münzwissenschaft in den Unterricht möchte ich jedoch nicht das Wort reden, da die hierzu nötigen Vorbedingungen, Zeit und numismatische Bildung der Lehrer, wohl selten erfüllt sein dürften. Hingegen bietet sich fast in jedem Fache häufig genug Gelegenheit, den Stoff durch Vorzeigen von Münzen zu beleben,diese stummen Zeugen einer vergangenen Zeit zum Reden zu zwingen und in ihnen dem Schüler einmal, vielleicht das einzige Mal, Originale in die Hand zu geben(Moeller). Nun ist aber das Münzenmaterial, das sich aus alten Zeiten bis auf unsere Tage erhalten hat, außer- ordentlich reichhaltig. Es muß nach gewissen Gesichtspunkten eine ordnende Auswahl getroffen werden. So finden wir bei Moeller die Rubriken: Geschichte, Kulturgeschichte, Sage, Religion und Kultus, Literaturgeschichte, Kunstgeschichte, Inhalt und Form der Aufschriften; bei Kohl²): Münzwesen, Götter, geschichtliche Bilder, Altertümer, Kaisermünzen; bei Pfeiffer ³) unter anderem: Gebäude und Statuen. Solche Zusammenstellungen sind wohl, wo es sich um eine erste Anregung zur Benutzung von Münzen handelt, sehr wertvoll. Sie geben einen Begriff von der großen Mannigfaltigkeit dessen, was auf den Münzen zu sehen ist, und so haben sie gewiß vielen, die von diesen Dingen wenig oder nichts wußten, den Blick in ein neues und liebliches Land geöffnet. Jedoch für die Praxis genügen sie nicht. Sie gehen von den Münzen aus, aber nicht vom Lehrfach der Schule. Dieses aber ist notwendig, wenn die Münzen auch von solchen Lehrern benutzt werden sollen, denen es an Zeit gebricht, sich eingehender mit Münzstudien zu befassen.

*) Eine Zusammenstellung dieser Schriften findet sich bei J. Moeller, Die Benutzung antiker Müngen als Anschauungsmaterial im Unterricht. Progr. Halle 1910. Hinzuzufügen ist noch: M. Bernhart, Antilke Münzbilder im humanistischen Unterricht. München-Giesing 1912. Steuer, Die Geschichte im Lichte der Münzen. Progr. Luckenwalde 1911.

¹) O. Kohl, Uber die Verwendung römischer Münzen im Unterricht. Progr. Kreuznach 18929

³) A. Pfeiffer, Antike Münzbilder für den Schulgebrauch. Leipzig 1895. 38315 B8

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