Aufsatz 
Über die Lebensweise der Ichneumonen / von H. Habermehl
Entstehung
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Aber die Lebensweiſe der Ichneumonen.

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I. Geſchichtliches.)

Der Name Ichneumon wird nachweislich zuerſt von Ariſtoteles im 5. Buche ſeiner Tiergeſchichte erwähnt. Er bezeichnet damit ein Inſekt, welches Spinnen tötet und dieſelben in ſein Neſt trägt. Aus dieſen Angaben geht hervor, daß jenes Inſekt kein Ichneumon im heutigen Sinne, ſondern eine Spezies derjenigen Grabwespen geweſen iſt, welche die merkwürdige Gewohn⸗ heit haben, gewiſſe Spinnen durch einen Stich in das Bauchmark zu lähmen und in eine Art Scheintod zu verſetzen, um ſie in dieſem Zuſtande in eine zuvor gegrabene Erdhöhle zu ſchleppen, wo ſie der Wespenbrut zur Nahrung dienen. Was Plinius der ÄAltere im 11. Buche ſeiner naturalis historia von einem Ichneumon ſagt, iſt lediglich eine Wiederholung der Ariſtoteliſchen Beobachtung. Die Alten ſcheinen ſonach die Ichneumonen oder Schlupfwespen noch nicht gekannt zu haben. Auch von den wenigen Naturforſchern des Mittelalters werden dieſelben nirgends erwähnt. Zum erſten Male erwähnt ihrer Ulyſſes Aldrovandus in ſeinem 1623 zu Frank⸗ furt a. M. erſchienenen WerkeDe animalibus insectis. Auf S. 100 desſelben ſagt er nämlich:Observavi bis erucam quam inter brassicas ceperam, primo parere ova lutea, tenui etiam involuta lanugine, iisque editis in chrysalidem commutari, eisdem quo illa fuerat coloribus, luteo viridi et nigro, et quod mirum mihi videbatur, ex iis ovis volucria erumpere animalcula adeo exigua, ut visum fere subterfugerent, qualia scilicet in vesicis ulmorum reperiri solent. Quatuor habebant alas, Papilionum more,..... Colore sunt viridi ac luteo, atris respersa maculis superne, inferne tota sublutea... Alia eruca, cum ex ea pulchrum quemdam expectarem papilionem, mihi peperit ova numero quadraginta, magnitudine grani tritici, luteo colore, tenui obducta cartilagine, in quorum singulo inerat vermiculus, sed numquid postea ex hisce vermibus fierent chrysalides, ut verisimile est, ut verum fatear, nescio qua incuria haud observavi. Aldrovandus kannte demnach bereits die auf toten Kohlraupen ſich häufig findenden Geſpinnſte des gemeinen Microgaster glomeratus, ſowie die aus denſelben hervorgehenden Wespen, beging aber den Irrtum, die

*) Die erſte Geſchichte der Ichneumonologie lieferte Gravenhorſt in ſeiner 1829 erſchienenenIehneu- monologia Europaea. 1840 gab ſodann Weſtwood in ſeinerIntroduction to the Classification of Insects etc. eine viele geſchichtliche Bemerkungen enthaltende Bearbeitung der Ichneumonen. 1844 bis 1852 erſchienen Ratzeburg'sIchneumonen der Forſtinſekten mit literariſchen überblicken über die

Leiſtungen in der Ichneumonologie.