Sinn an
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fing, bildete ſich ihre Sprache, und die unter⸗engadiniſche Mundart insbeſon⸗
dere wurde zur Schriftſprache und hatte ihre Literatur. Männer von höherer Bildung,
die ſich
um das Vaterland verdient gemacht, aus den berühmten Familien Salis,
Planta*), Belis, bemühten ſich bei den Verſammlungen, in welchen das Wohl des Lan⸗
des mit
Würde und Ruhe verhandelt und berathen wurde**), die harte Sprache
durch feinere Wendungen und Ausdrücke abzuſchleifen, ſie für die neuen Verhältniſſe bieg⸗ ſamer zu machen und ihr durch grammatikaliſche Formen die zum klaren Ausdruck der geſetzlichen Beſtimmungen erforderliche Klarheit und Stabilität zu verſchaffen.
Di
e Bevölkerung des Kantons Graubündten beläuft ſich auf ungefähr 95,000
Einwohner, die größere Hälfte gehört der romaniſchen Sprache an. Wir haben(S. 27) die italiſche Sprache nördlich bis an den St. Gotthardt geführt; dort ſtößt dieſelbe an die romaniſche Sprache; die Grenzlinie der letzteren zieht ſich von da an der Weſt⸗ und Nordgrenze von Graubündten bis zum Martinsjoche, wo die Grenzen dieſes Kan⸗ tons mit denen der Kantone Glarus und St. Gallen zuſammenſtoßen; von da durch⸗
ſchneidet deutſche
ſie in einer ſüdöſtlichen Richtung das Thal des Vorder⸗Rheins, läßt das Reichenau am Zuſammenfluß des Vorder⸗ und des Hinter⸗Rheines links liegen
und folgt der Waſſerſcheide bis Albula. Im Nordoſten überſchreitet die Sprachgrenze das Innthal, indem im Ober⸗ und Unter⸗Engadin die Ladiniſche Sprache die herrſchende
iſt, von
dem Innthal erſtreckt ſich die romaniſche Sprache durch das Münſterthal bis
zum Orteles. Im Flußbecken des obern Theils des Hinter⸗Rheins am Splügen hat ſich eine große Sprachinſel gebildet, wo, ſowie in Chur und im nördlichſten Theil des
Kantons
, die deutſche Sprache faſt allein geſprochen wird. Südlich vom St. Bern⸗
hardin⸗Berg, im Thale Miſocco iſt die italieniſche Sprache die vorherrſchende. Ferner haben wir noch einige Inſeln der romaniſchen Sprache zu erwähnen. 1. In Savoyen die Umgegend von St. Jean de Maurienne; 2. öſtlich vom
Orteles, Gemeind mit den
das Grödner⸗Thal(Gardena) im ehemaligen Bisthum Trient und die 15 en von Enneberg. 3. Endlich wird auch die Sprache der Furlaner(Friaul, Städten Belluno, Udine) zum Rhätoromaniſchen Zweig gerechnet.
Als Muſter der Rhätoromaniſchen Sprache geben wir hier einige Zeilen der Ueberſetzung des neuen Teſtamentes vom Jahr 1560— es iſt aus der Parabel des verlorenen Sohnes entnommen.
.. 11. Et dis: Un tschert hom no ha gieu duos fllgs. 12. Et l'g giuven da quels dis agli bab: Bab, do à mi la part de la roba
13.
14.
. 15.
16.
quela mi vein. Et el partit ad els la roba.
Et dsieva brichia bgiers dys, haviand l'g filg plu giuven tuot trat insemmel, schi ais el tiro via davend in un pajais da loensch, et allo vivand el schlas- chedamaing hodchfat sia roba.
Et dsieva ch'el haves tuot trafato, schi ven una gronda fam in aque pajais, et el cumanzo ad havair bsoing.
El tiro via et s'matet a staer cum un citadin da quel pajais, et quel l'g tramatet in sia mairia ch'el parciuras l's puores.
Et el aggia vuschava d'emplir sien vainter da las cruosas ch'els puorcs magiavan, ne atchun Pg deva agli.
*) Ein Planta, Joſeph Planta, hat eine Geſchichte der romaniſchen Sprache, Chur
1776, geſchrieben. *) Die Verbindung des Gotteshausbundes fand 1396 ſtatt, die des Oberen oder Grauen Bundes
im
Jahr 1400 und die des Zehngerichts⸗Bundes im Jahr 1436; im Jahr 1471 kam der
Verein der drei Bünde zu Stand.


