14
erregt. Eingeflochten ist eine Sage, welche sich an diesen Hain und an diesen Teil des Trent, der gewöhnlich„The Clifton Deeps“ genannt wird, knüpft: die Sage von Margaret, welche ihrem Geliebten Bateman, der gezwungen war, auf drei Jahre in fremde Lande zu gehen, ewige Treue schwur und einen Ring in zwei Teile brach, von denen sie einen behielt, den andern ihrem Liebsten mitgab. Zwei Jahre blieb sie treu, dann aber erkaltete in Folge der langen Trennung ihre Liebe, sie vergass ihre Eidschwüre und reichte ihre Hand einem reichen Bewerber, Germain. Nach drei Jahren kommt Bateman zurück, fröh- lichen Herzens und fest bauend auf die Treue der Geliebten. Bald jedoch erfährt er deren Untreue und sucht und findet den Tod in den Wogen des Trent. Margaret wird nun von Gewissensbissen gepeinigt, und nachdem sie einem Kinde das Leben gegeben hat, wird sie in der Nacht von Dämonen entführt und in die Fluten des Trent versenkt, an derselben Stelle, an der ihr früherer Geliebter den Tod fand.
Diese einfache Sage ist von dem Dichter in einer dem Stoffe entsprechenden Weise wiedergegeben, in einheitlicher Darstellung und in klarer, rührender, zuweilen hinreissender Sprache.
Die übrigen in dieser Sammlung enthaltenen Gedichte bezeichnet White als zum Teil„productions of a very early age.“ Von den Oden wurde„To an early Primrose“ im Alter von dreizehn Jahren geschrieben, die andern später. Die Sonette haben der eignen Ansicht des Dichters nach keinen weiteren Anspruch auf diese Bezeichnung, als dass sie aus vierzehn Zeilen bestehen.
Während der Pablication von„Clifton Grove“ ruhte die Muse des jugendlichen Dichters nicht, und er verfasste um diese Zeit, sowie kurz nachher, Oden, Sonette, von denen übrigens dasselbe gilt, wie von den oben erwähnten, und vermischte Gedichte, von welchen„Description of a Summer’s Evening“ und„The Contemplation“ besonders hervor- zuheben sind. In derselben Zeit oder wenig später begann er ein grösseres Gedicht „Time“, welches Fragment geblieben ist, wiewohl er den Plan, es zu vollenden, niemals bei Seite legte; unter seinen letzten Erzeugnissen noch finden sich einige hierzu gehörige Bruchstücke.„Die Ewigkeit kennt keine Vergangenheit und keine Zukunft, keinen An- fang und kein Ende; so Gott. Alles andere ist vergänglich. Die einst so grossen und mächtigen Städte Tyrus, Sidon, Carthago, Babylon, Troja, sie sind verschwunden, halb ausgelöscht aus dem Gedächtnis, und teilweise ist es sogar streitig, wie sie geheissen, ja, ob sie überhaupt existiert haben. So geht es auch mit uns. Wir leben und atmen, und wir sind dahin; und wie wir fallen, folgt ein anderes Geschlecht, um gleichfalls unterzu- gehen. Die Ewigkeit können wir nicht begreifen; wir können uns wohl denken, dass die Sonne immer leuchten könne, aber Staunen ergreift uns, wenn wir darüber nachdenken, dass die Zeit keinen Anfang gehabt habe. Den Wechsel der Tage bemerken wir, aber die Zeit kennt keine Veränderung; vergangene Zeit und kommende Zeit sind ganz gleich. Dieselbe Ewigkeit ist vor der Zeit, dieselbe nach ihr:
„For who can add to what has neither sum, „Nor bound, nor source, nor estimate, nor end!
Die Zeit bewegt sich nicht; unser Sein ist es, welches sich bewegt: so betrachtet ein junger Schiffer in der vor dem Winde dahinfliegenden Barke die vor seinem Auge zurückweichende Küste und glaubt eine Weile, dass er bewegungslos sei und das Land vorbeisegle. So ist der Schein des Lebens. Was ist also der Mensch?


