Aufsatz 
Geschichte der Realschule II. O. zu Wiesbaden / A. Güth
Entstehung
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ihrer einzelnen Teile besitzen, sowie über das Entwerfen von Bauplänen und Kostenüberschlägen im wesentlichen unterrichtet sein.

Geschichte.

Der Schüler soll eine übersichtliche Kenntnis der merkwürdigsten Personen und Begeben- heiten nach ihrer chronologischen Abfolge besitzen; tief eingreifende Persönlichkeiten aber mit einer gewissen biographischen Ausführlichkeit, sowie welthistorische Ereignisse nach ihrem näheren Verlauf, ihren Hauptursachen und Folgen schildern können. Isbesondere soll er eine etwas näher eingehende Kenntnis der neueren Geschichte seit den letzten zwei Jahrhunderten sich er- worben haben.

Geographie.

Der Schüler soll ein vollständiges und soviel als möglich anschauliches Bild von den natür- lichen und staatlichen Verhältnissen der ganzen Erdoberfläche, besonders aber von Europa, Nord- amerika und den beiden Indien, erhalten haben. Dabei soll er namentlich auch von dem Produkten- reichtum und der Produktionskraft vornehmlich der Hauptkulturländer und ihrer Kolonien, von dem Umfang und der Art ihrer Industrie und ihres Handels, von ihrem geistigen Bildungsstande, wie er sich in der Betreibung der Künste und Wissenschaften und der Nationallitteratur eines jeden Volkes offenbart hat, eine richtige Vorstellung gewonnen haben.

Buchhaltung.

Vertrautheit mit den Grundsätzen und dem praktischen Verfahren der ausgedehnteren (doppelten) kaufmännischen Buchführung, sodass der Schüler den Zweck und die Anlage der ein- zeluen Geschäftsbücher kennt, die aufgegebenen Geschäftsvorfälle richtig in die Bücher eiuzutragen versteht und einen Abschluss zu machen im stande ist. Dabei soll derselbe im kaufmännischen Rechnen vollständig erfahren, in Porm und Abfassung kaufmännischer Briefe in deutscher, franzö- sischer und englischer Sprache ziemlich geschickt und über das Wechselwesen hinreichend instruiert sein.

Der Unterricht ist übrigens nicht für jeden Schüler obligatorisch.

Die Ziele im Schreiben und Zeichnen sind die gewöhnlichen. Es sei hierzu nur bemerkt, dass der Schüler die im Zeichenunterricht erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in dem Bau- und Maschinenzeichnen anzuwenden gelernt haben soll.

In Anwesenheit des Bürgermeisters Fischer, des Adjunkten Coulin, des Gemeinderats Querfeld und eines Teils der hiesigen Geistlichkeit wurde die Anstalt am 11. Mai 1857 eröffnet, und zwar zunächst mit drei Klassen; für die projektierte 4te(oberste) Klasse waren keine Schüler mit der erforderlichen Befähigung vorhanden. Dagegen hatte die Überfüllung der zwei untersten Klassen schon im Juni eine Teilung in Parallelcöten für den sprachlichen und Rechenunterricht zur Folge. Sogleich bei Eröffnung wurden 150 Schüler aufgenommen; in folge von Ab- und Zugang stellte sich die Präsenz am Schlusse des 1. Schuljahres auf 170 Schüler, von denen 145 Wies- badener und 25 Auswärtige waren.

Wir geben hier eine Zusammenstellung der Frequenz, wie sich dieselbe am Schlusse der einzelnen Schuljahre stellt: