Aufsatz 
Das Verhältnis des Codex Weilburgensis No. 3 der Etymologiae des Isidorus Hispalensis zu den Bernenses 101, 224, 36 und 291
Entstehung
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bene, Bemerkung Capitula libri huius in libro superiori continentur. Erst dann folgt die Kapitelüberschrift(zu XII, 1) de pecoribus et iumentis, und zwar die letz- tere nur durch einen Punkt von der vorausgehenden Bemerkung getrennt.

Das ist folgendermassen zu erklären: Als der Schreiber bei der Fortsetzung der Rubrikatur an den Schluss des XI. Buches gekommen war, dort aus seiner Vorlage die Worte Icipit lib. XII entnommen hatte und nun die dort folgende Überschrift des ersten Kapitels de pecoribus et iumentis eintragen wollte, bemerkte er den Fehler, den er damit begangen hatte, dass er das Inhaltsverzeichnis des XII. Buches vor der Zeit abgeschrieben hatte, und suchte ihn nun durch die Einschaltung der obenerwähnten Bemerkung wieder gut zu machen. Um aber wenigstens Übereinstimmung mit dem fehlerhaften Kapitel-Ver- zeichnis herzustellen, versah er das I. Kapitel des XII. Buches mit der Zahl V und dem- entsprechend später das II. mit der Zahl VI. ¹)

Der im Vorstehenden so eingehend geschilderte Fehler und seine Verbesserung würden ohne tiefere Bedeutung für unsere Frage sein, wenn wir beide nur in M vorfän- den. Allein Fehler wie Verbesserung finden sich, und zwar in merkwürdiger Ubereinstimmung, auch in den Bernenses 101, 224, 36 und 291. Von ihnen bietet 224 nicht nur die fehlerhafte Verschiebung der UÜberschrift de homine et partibus eius, sondern auch denselben Wortlaut des Zusatzes Capitula continentur und sogar dieselbe Zahl V vor XII, 1. Auch in 101 und 291 ist die Bemerkung Capitula s9g. mit W gleich-

lautend und ebenso in 36, nur dass dort P(= parte) für libro gesetzt ist.

Danach kann es zweifelhaft erscheinen, ob der Schreiber von I selbst den be- sprochenen Fehler begangen und seine Verbesserung vorgenommen hat oder ob er beides schon aus seiner Vorlage entnommen hat. Indessen schwindet dieser Zweifel, sobald man die Codices selbst zur Hand nimmt und einer genaueren Betrachtung unterzieht. Die Ber- nenses scheinen nämlich sämtlich den Fehler nebst seiner Verbesserung schon aus ihrer Vorlage entnommen zu haben: in ihnen ist wenigstens zwischen lib. XI und XII alles in einem Zuge niedergeschrieben; nirgends hat es an Raum für den Zusatz gemangelt, nirgends findet sich die Spur einer Rasur oder Korrektur. Ganz an- ders dagegen liegt die Sache in Bezug auf W. Dort ist die Quelle des Fehlers zu suchen, dort ist auch die Verbesserung ein Werk des Schrei- bers selbst.

Das beweisen nachstehende Thatsachen:

1. Der Raum zwischen dem Ende des XI. und dem Anfang des XII. Buches ist für das, was darauf steht, eigentlich zu eng: er war eben nicht von vornherein dafür be- stimmt. Darum sind auch die drei letzten Buchstaben von superiori ²) zunächst fortge- lassen und die Endung tur abgekürzt.

2. In diesem Raume finden sich die deutlichen Spuren einer Rasur und zwar kann man mit Hilfe einer Lupe wenigstens noch so viel von den ausradierten Buchstaben er- kennen, dass man mit Sicherheit behaupten kann, dass dort ursprünglich nichts weiter ge- standen hat, als in roten Uncialbuchstaben nach etwas grösserem Massstabe die Worte

INCIPIT LIB XII.

¹) Bei den übrigen 6 Kapiteln ist die Zahl ganz fortgeblieben. ²) Das in schwarzer Schrift dar- übergesetzte ori ist erst nachträglich eingefügt.