Aufsatz 
Das Verhältnis des Codex Weilburgensis No. 3 der Etymologiae des Isidorus Hispalensis zu den Bernenses 101, 224, 36 und 291
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Das Verhältnis des Codex Weilburgensis No. 3 der Etymologiae des Isidorus Hispalensis zu den Bernenses 101, 224, 36 und 291.

Von Richard Gropius, Professor.

Auf S. 9 meiner Programm-Abhandlungsidori Hispal. Etymol. XIII, 13 usu.* (Weilburg 1889) habe ich behauptet, dass unter den Handschriften der Etymologige des Isidorus die Bernenses(101, 224, 36 und 291) eiae Gruppe für sich bildeten und dabei dem Weilburgensis 3 verwandt seien, mit dem namentlich 224 vielfach übereinstimme. Ein genauerer Nachweis dieser Verwandtschaft soll auf den vorliegenden Blättern versucht werden.

Schon früher sahen wir, dass Ekymol. XIII, 13 die Lesarten sardinea für Sardinia § 10 und uocare für uocari§ 7 den Bernenses allein angehörten; jene fanden wir in 101(m. 1)) 224 und 36, diese in 101, 224, 36 und 291. Ausserdem haben für Aethi- opia§ 2 224 und 101 aeziopid, 36 daiopia,²) wührend alle übrigen der von mir ver- glichenen Handschriften das Richtige zeigen.

Nur mit W in Übereinstimmung finden wir die Bernenses in folgenden Punkten:

Fafillas für fauillas und celoanium für Gelonium§ 8 steht nur in W, 224 und 101, oris für horis§ 9 nur in W, 224 und 36, annum für anno§ 8 ausser in I, 224 und 36 nur noch in den Freiburger Fragmenten. Ferner zeigen nur W, 224 und 101 pota gegenüber potata§ 7 und W, 224 und 36 boeziae[bez. boezic]§ 4 für Boeotiae. Ausserdem hat W mit 224 allein afferat§ 3 für affert und auch garamantas§ 10, sowie puluerentum§ 8 hat von den Bernenses nur 224 mit W gemein.

Daraus scheint sich zu ergeben:

1) Dass die Bernenses untersich näher verwandtsind, als mit W oder anderen der vonmir verglichenen Handschriften,

2) dass sie Wnäherstcehen, als den übrigen,

3) dass unter ihnen 224 Wam nächstensteht.

Innerhalb der Bernenses scheinen wieder 224 und 101 in engerer Beziehung zu einander zu stehen: wenigstens deutet darauf die gemeinsame Lesart fulgoris§ 11 für sulphuris, die in 224 allerdings nachträglich durch das Richtige ersetzt ist. Ausserdem mag 101 mit 291, von dem mir nur wenige Notizen zu Gebote stehen, enger zusammen- hängen, denn beide haben Masside§ 7 für Marside(bez. Marsidae oder Marsyae).

Wollen wir ermitteln, wie die genannten Handschriften zu dieser Familienähnlich- keit gekommen sind, so missen wir uns zunächst die Frage beantworten: Ist anzunehmen, dass ibre Schreiber immer nur eine einzige Vorlage benutzt und sich stets bemüht haben, diese möglichst treu d. h. ohne eigene Zuthaten durch wirkliche oder vermeintliche Ver- besserungen wiederzugeben?

¹) m. 1= manu prima. ²)= e cum caudula.