14
—
von 1488*) vorfindet. Nach der Angabe des Inhaltsverzeichniſſes handelt ſie de quodam rege qui habuit tres filios et cuilibet dedit annulum post mortem und ſteht auf pag. CXIX unſerer Handſchrift. Sie lautet: Quidam rex habuit tres filios et vnum lapidem preciosum rex cum mori deberet cogitabat quod filii pro lapide precioso inter se certarent vnum autem filium pre alijs dilexit vnde fecit anulos fieri aureos similes et duos lapides vitreos similes precioso et singulis annis singulos lapides fecit imponi et ne deciperetur fecit vocari filios suos coram se et cuilibet vnum annulum dedit filio quem dilexit meliorem post decessum patris quilibet dixit so habere meliorem anulum cum lapide precioso audiens hoc quidam sapiens ait probare volumus quis anulus infirmitatem expellere posset ut ille est preciosior et factum est duo anuli nichil operabantur set tercius fugauit infirmitates vnde placuit et patuit manifeste quod pater magis illum dilexit filium. Karissimi. isti tres filij sunt tres populi secilicet filij per creacionem verumptamen liquet quod populum christianum plus plus diligit illo anulum fidei ei reliquit qui cecos illuminat morbos sanat mortuos resuscitat set inter infideles non fiunt virtutes vnde psalmista signa nostra non vidimus etc. Et quare certe quia non credunt in christum et illo sequitur qui non crediderit dampnabitur.**)
Nr. 5. Ein Vand von 32 Centimeter Höhe und 22 Centimeter Breite, zwei Schriften
des Boccaccio in lateiniſcher Sprache enthaltend
Der Codex enthält 156 Blätter von ziemlich dünnem, gelblich⸗weißem Papier, die zu Ser⸗ ternen verbunden ſind. Der Einband beſteht aus Holzdecken, die mit braunem Leder überzogen ſind, der Schnitt iſt einfarbig gelb, auf den beiden Decken finden ſich zahlreiche eingepreßte Ver⸗ zierungen nebſt Spuren von je 7 ziemlich großen Metallknöpfen und 2 Verſchlußhaken.
Die Schrift iſt durchweg dieſelbe, ziemlich eng, durchſchnittlich 44 Zeilen auf der Seite, ohne Linien, die Buchſtaben flach und breit, die Tinte meiſt ſehr blaß. Die einzelnen Seiten ſind in je 2 Kolumnen geteilt und dieſe durch gerade Linien eingefaßt.*e) Von einer Paginierung ſindet ſich nirgends etwas, auch die Sexternen ſind nicht gezählt, jedoch iſt das Ende jedes Sex- ternio, mit Ausnahme des dritten, durch einen Custos bezeichnet. Die Initialen, Überſchriften und Striche in roter Farbe reichen nur bis in die Mitte von Sext. IV, Korrekturen ſind äußerſt ſelten zu bemerken.
Beim Einbinden iſt zunächſt vorn und hinten je ein Blatt Papier angeheftet worden und dann noch vor, beziehungsweiſe hinter dieſes ein Blatt Pergament. Die Pergamentblätter ſind beide vollſtändig mit Schrift bedeckt, die erheblich älter ſcheint, als die Hand, die den Boccaccio geſchrieben.“****) Die Buchſtaben ſind ſchön und deutlich, die Abkürzungen wenig zahlreich: zwiſchen Abſchnitten in größerer Schrift ſtehen ſolche in weit kleinerer mit darüber geſetzten Zeichen, alles zum Gebrauch beim Gottesdienſt beſtimmt.
Auch das vordere der Papierblätter iſt beſchrieben, aber in einer Schrift, die wegen der zahlloſen Abkürzungen nur ſchwer zu entziffern iſt. Die verſchiedene Länge der Zeilen ſcheint zu
*) Gesta rhomanorum cum applicationibus moralisatis ac misticis. s. l. 1488.[Nr. 30 unſerer Drucke aus der Zeit vor 1500.] Vergl. unſer Progr. v. 1878.
*) Zu vergleichen iſt Kap. 89 der Keller'ſchen Ausg.[De triplici statu mundi].
=—) Überhaupt zeigt der Codex große Ahnlichkeit mit einer Handſchrift der Berliner Kgl. Bibl. aus dem Jahre 1473.[Nr. 58 der Arndt'ſchen Schrifttafelnl].
***) Sie gehört ungefähr dem XIII. Jahrh. an.


