Aufsatz 
Ueber das Verhalten der Krystalle zu den sogenannten Imponderabilien / von Greiss
Entstehung
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nur= 28. Melloni nahm nun auch seine Versuche wieder auf, und zwar mit besserem Erfolg, als das erste Mal. Er fand jetzt unzweideutig die Thatsache bestätigt, dass auch die Wärmestrahlen bei dem Durchgang durch gewisse Kryslalle eine Polarisation erleiden. Er stellte in Beziehung auf die polarisirte Wärme auch noch folgende Behauptung auf, von deren Richtigkeit er sich durch unmittelbare Messung überzeugt hatte, die Behauptung, dass die bei der Kreuzung der polarisirenden Platten verschwindende Wärme weder zerstört, noch absorbirt, sondern bloss reflectirt wird. Waren nämlich beide polarisirende Flächen einander parallel, und unter einem Winkel von 30 bis 400 gegen den einfallenden Wärmecylinder geneigt, und stellte er den Thermomultiplicator so, dass die von der hinteren Fläche reflectirten Strahlen ihn treffen mussten, so rührte sich die Nadel kaum oder gar nicht; stellte er aber die vordere Platte rechtwinklig gegen die hintere, so trat sofort eine be- deutende Abweichung der Nadel ein. Die neuesten Versuche über diesen Gegenstand rühren wieder von Knoblauch her, der sie a. a. O. p. 177 folgendermassen beschreibt:Ich selbst habe in dieser Beziehung nur einen Versuch mit einem sehr schönen Paar grüner Turmaline angestellt, welches von 100 beim parallelismus der Axen hindurchgehenden Wärme- strahlen der Sonne 58,5 bei gekreuzter Axenstellung polarisirte. Nicol'sche Prismen sind von Forbes ohne Erfolg angewandt worden, weil sie die Strahlen irdischer Wärmequellen in zu geringem Grade hindurchliessen. Ganz vorzüglich haben sie sich dagegen bei meinen polarisationsversuchen mit Sonnenwärme bewährt. Stellte man nämlich zwei Prismen der pezeichneten Art dergestalt hinter einander auf, dass die Wärmestrahlen parallel mit ihrer Längenaxe hindurchgingen, so erhielt man am Thermomultiplicator eine Ablenkung von 9,50, wenn die Hauptschnitte der Kalkspathe gleich gerichtet waren. Diese Ablenkung verschwand aber vollkommen, wenn die Haupischnitte einen Winkel von 90° mit einander bildeten, denn das Einschalten eines Metallschirmes, welcher alle Wärmestrahlen auffing, führte keinen wei- teren Rückgang der Nadel herbei, als die Drehung des einen Nicol'schen Prisma's. Nicol'sche Prismen polarisiren demnach die Wärme vollkommen. Es war von Interesse, die beiden durch einen natürlichen Kalkspath hervorgebrachten Wärmebilder in Bezug auf ihre Polari- sationsverhältnisse zu untersuchen. Die vollkommene, bereits besprochene Trennung der pei dem Durchgang durch den Doppelspath entstehenden Wärmebilder machte es mir möglich, jedes derselben einzeln zu prüfen. Dies geschah, indem ich hinter dem Krystall ein Nicol'- sches Prisma, zu dem nur die eine Strahlengruppe gelangte, so aufstellte, dass sein Haupt- schnitt einmal dem des natürlichen Kalkspaths parallel, d. h. ebenfalls horizontal, dann vertical dagegen gerichtet war. Die aus dem Nicol austretenden Wärmestrahlen wirkten auf das Thermoscop, dessen Angaben beobachtet wurden. Es zeigte sich, dass die der gewöhnlichen Brechung folgenden Strahlen die Multiplicatornadel um 3,50 ablenkten, wenn die Hauptschnitte des natürlichen Kalkspaths und des Nicols gekreuzt waren, um 00, wenn die Hauptschnitte in einer Ebene lagen. Dagegen brachte die ausserordentlich gebrochene Strahlengruppe bei der ersten Stellung des Nicol'schen Prisma's keine Wirkung, bei der zweiten eine Ablenkung von ebenfalls 3,50 hervor. Es ist somit durch das directeste Verfahren, dessen man sich bedienen konnte, erwiesen, dass die beiden durch Doppelbrechung in einem Kalkspath mit natürlichen Flächen auftretenden Gruppen von Wärmestrahlen in zwei auf einander senkrechten Ebenen polarisirt sind. Es findet demnach auch in Beziehung auf die Polarisationsrichtungen eine vollständige Uebereinstimmung zwischen Licht und Wärme statt.