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nur zu leicht entstehen. Der sittlich Gute wird nicht selten in sei erschlaffen, wenn er sieht, dass der Schlechte ihn überflügelt; der Schlechte dagegen wird in seiner Immoralität bestärkt und sewinnt immer mehr die verderbliche Uberzeugung, dass Verstand und Kenntnisse mehr in der Welt gelten, als sittliche Güte, und wenn er nur im Besitz jener sei, auch in Ermangelung dieser dennoch sein irdisches Glück machen könne. 64.
Stelle die Lüge zugleich als Beweis grosser Feigheit dar, um sie verächtlich zu machen.
Der wahre Muth und das wahre Ehrgefühl offenbaren sich durch Aufrichtigkeit und Ehr-
lichkeit, durch eine heilige Scheu vor allem, was den innern Menschen befleckt, ihn vor sich selbst erniedrigt. — 65.
In unserer den materiellen Interessen so sehr zugewandten Zeit, in der das Horazische „Tuderenda pecunia primum est; virtus post nummos!« sich immer geltender macht, ist es mehr, als je, des Lehrers heiliger Beruf, seine Schüler bei jeder Gelegenheit mit ernstem Nachdruck an die Worte des Heilands zu erinnern:„Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch auch solches Alles zufallen.“ Schon in Kindern wird jene materielle Richtung leicht geweckt und genährt, wenn man ihnen zu oft zuruft: Lernt etwas, damit ihr einmal euer Brod findet.
66.
Zu sehr wird gewöhnlich unsere Jugend, die sich den Wissenschaften widmen will,
nem Eifer für Tugend
von früh auf mit Kenntnissen überfüttert, zu sehr der Ehrgeiz gestachelt, zu sehr der Ego- ismus genährt, als dass sie heiter und unbefangen den lichten Frühling des Lebens ge-
67.
Es nimmt mich gegen eine Schule, ehe ich sie noch weiter kenne, immer schon etwas
niessen könnte.
ein, wenn ich in den von ihr ausgehenden Censuren das Betragen der Schüler als an- ständig oder unanständig, nicht als gut oder schlecht bezeichnet finde. Es scheint wenigstens so, als ob man in einer solchen Anstalt einen zu hohen Werth auf das äussere Benehmen der Zöglinge lege, und wahre Sittlichkeit weniger beachte.
68.
Die zahllosen Erziehungsschriften, welche jede Leipziger Messe gebiert, sind ein schlechtes Zeichen der Zeit. Wenn bösartige, ansteckende, verheerende Krankheiten durch die Länder ziehen, dann ergreift jeder Arzt, sei er berufen oder nicht, die Feder und schreibt Bücher. Man denke nur an die Zeit, wo die Cholera herrschte. Ein gesundes, lebensfrisches Volk bedarf nur wenig Arzte, nur wenig Arzneien.


