Proben physikalischer Übungsaufgaben
von
Dr. BR. Kohlrausch.
Shon seit längeren Jahren habe ich die Absicht gehabt, eine Reihe von physikalischen Ubungsbeispielen durch den Druck bekannt zu machen, bin jedoch von der Ausführung die- ses Planes durch den Zweifel abgehalten, ob ein Bedürfniss solcher Sammlungen auch wirklich vorhanden sei; ein Zweifel, welcher durch die Erscheinung gerechtfertigt erschien, dass der Vorgang von Büchner*) im Jahre 1836 so wenig zur Nachfolge gereizt hatte. Noch jetzt glaube ich nicht, dass das Bedürfniss recht allgemein gefühlt werde, denn wenn auch der physikalische Schul-Unterricht seine ersten Kinderjahre überstanden haben mag, wenn er auch wohl an den meisten Orten nicht mehr ein blosser Auszug aus der academi- schen Experimental-Physik ist, sondern tüchtige Anfänge einer Methode gebildet hat, so ist ihm doch meist eine so knappe Zeit, namentlich für den häuslichen Fleiss der Gymna- siasten zugemessen, dass der Lehrer die paar Beispiele, zu denen er Zeit gewinnt, leicht selbst erfinden kann. Es ist indessen wohl für gewiss anzunehmen, dass der Wunsch nach zweckmässigen Sammlungen der fraglichen Art sich immer mehr ausbreiten werde, weil es zu natürlich ist, dass wir die Zeit, welche wir theils durch Verbesserung der Methode gewinnen, theils der immer weiter um sich greifenden Erkenntniss des formalen Nutzens der Physik zu danken haben(werden), auf Vermehrung der Intensität des Wissens unsrer Schüler, nicht auf Erweiterung des physikalischen Schulpensums anwenden**). Ausgesprochen
*) Algebraisch-physikalische Aufgaben von Dr. Ed. Büchner. Halle, Waisenhausbuchhandl. 1836. **) Dieses ist vielmehr nach dem Zuschnitte der meisten Lehrbücher für die Zeit, welche wir an vielen Schulen dem Gegenstande zugewendet sahen, fast übergross; ja es könnte wohl der Mühe werth scheinen, genauer in Erwägung zu ziehn, ob es nicht rathsamer sein möchte, an Umfang den physikalischen Unterricht auf den Gymnasien zu beschränken und mit Vorsicht die Zweige aufzusuchen, welche etwa herunter zu schneiden wären. Für erspriesslich halte ich ein solches Beginnen, wenn es bei der Besprechung und dem guten Rathe bleibt, gefährlich . 1*


