Bei den wenigen brauchbaren Zeitbestimmungen unserer Erderschütterung erscheint es
vollends sehr gewagt, eine Localität zur Repräsentation eines Erschütterungscentrums forciren zu wollen.
Dass Prof. v. Seebach in Göttingen aus Zeitbestimmungen die zum Theil, wie Giessen und Breslau oder Hechingen und Breslau, an recht günstigen fast gegenüberliegenden Stellen des Erschütterungsgebiets liegen, eine annähernde durchschnittliche mittlere Geschwin- digkeit der Wellenbewegung von 3,7 geogr. Meilen in der Minute berechnet hat, ist ein im Vergleich zu dem vielfach dürftigen, wenn auch sehr zahlreichen, vorliegenden Beobachtungs- material recht befriedigendes Ergebniss. Dass die Geschwindigkeit an der Erdoberfläche als eine bei verschiedenen Erdbeben verschiedene sich zeigt, kann recht wohl bei voll- ständiger Unveränderlichkeit der Fortpflanzungsgeschwindigkeit gegenüber der Intensität der Kraft durch höher oder tiefer Liegen der Ursprungslocalität seine Erklärung finden.
Was die unterirdischen Geräusche anlangt, so gibt unser Kärtchen über deren geographische Vertheilung Aufschluss. Sie sind, wie wir aus den in Südamerika gemachten Erfahrungen wissen, äusserst verschiedenartiger Natur, oft weder eine Erschütterung be- gleitend, noch von ihr begleitet, sondern selbstständig auftretend. Bei unserm Erdbeben mögen wohl die in der Nähe des Fichtelgebirges liegenden Orte die Detonation des ersten
Aufpralls, die einzelner liegenden, wie Leipzig, Teplitz, Liebotschan secundäre Detonationen gehabt habe 5
Leider— könnte man fast in denselbem Sinn, in welchem sich die Küstenanwohner einen gesegneten Strand wünschen, sagen— sind die beiden Häuser in Eger, die mehrere Zeitungen*) einstürzen liessen, noch wohlauf.“*) Dort wäre ein für altplutonische Anschauungen sehr geeignetes Centrum. Dort befindet sich der einzige Vulkan des ganzen Erschütterungsgebietes, der Kammerbühl, welcher beschrieben***) wird als„ein kleiner vulkanischer Kegel, der sich aus Schlacken und Lapilli etwa 75 Fuss über den dort an- stehenden Glimmerschiefer aufgethürmt hat. Zahlreiche vulkanische Bomben aus basaltischer Lava liegen umher, welche noch Stücke des Grundgebirges, Glimmerschiefer und Quarzit, einschliessen.“ Dort bei Eger befindet sich auch etwa der Strahlenmittelpunkt des mittel- deutschen Gebirgsreliefs, ein Umstand, der für die Bedeutung dieser Localität in der Ge- schichte der Erdoberfläche spricht. Wenn wir noch hinzunehmen, dass in dem Bericht von dort die Stösse vertical †) genannt werden und dass Eger ††) unter den Orten, aus welchen die Wahrnehmung starker Erdgeräusche gemeldet worden ist— sie liegen von
*) Kurier für Niederbayern. Hofer Anzeiger.
**) Bohemia, Correspondenzen aus Eger.
er) Fuchs, die vulkanischen Erscheinungen der Erde. pag. 7. †) Ortsverzeichniss e„ E.
††) siehe Karte.


