Aufsatz 
Die Olympischen Spiele : ihre Gründung, Einführung und Zeitrechnung / Georg Graff
Entstehung
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tert durch die zerſtreuten chronologiſchen Andeutungen der früheren und beſonders einiger ſpäteren Schriftſteller, vorzüglich des Strabon, Diodoros von Sicilien, Plutarchos und Pauſanias, die das Alterthum nochmals in ſeinen fernſten Tiefen zu durchforſchen geſucht, aber bei ihren Unterſuchungen auf vielfältige unüberwindliche Dun⸗ kelbeiten und Unſicherheiten ſtoßend, ſich oft ſelbſt nicht genügten, dieſe unvollſtändigen, lückenhaften Werke ſind es, welche die Hauptgrundlage zu der jetzigen Chronologie der Olympiaden bilden. Es iſt natürlich, daß es unter ſolchen Verhältniſſen lange dauern mußte, bis ſich das Syſtem der Olympiaden als ein allgemein aner⸗ kanntes chronologiſches Syſtem feſt ſtellte. Indeſſen auch noch in unſeren Tagen ſind die Gelehrten über den eigentlichen Anfang, die Gründung und Einführung der Olympiſchen Spiele noch nicht ganz einig, und ſo mag es wohl der Mühe lohnen, nochmals einen Verſuch zu machen, ſelbſt wenn es auch nur im Intereſſe der Schule geſchehen ſollte, die zerſtreuten, mangelhaften Nachrichten der Alten bierüber, ſo weit ſie uns zu Gebote ſtehen, wo möglich, zu ſichten und zuſammen zu ſtellen.

1. Die Olympiſchen Spiele waren in der mythiſchen Zeit von Herakles gegründet und eingeführt.

Die ausführlichſten Nachrichten hierüber finden wir unſtreitig bei Pauſanias in ſeiner Eilddos sεον Tisis, die er zu Rom in der letzten Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Ch. G. geſchrieben, wo er in den Eliaca V. 7, 4. Folgendes berichtet: Die Eleier, welche in Betreff der Olympiſchen Spiele der älteſten Nach⸗ richten gedenken, erzählen: Kronos habe zuerſt die Herrſchaft im Himmel gehabt, und ihm ſei von den damaligen Menſchen, welche das goldene Geſchlecht genannt wurden, ein Tempel zu Olympia erbaut worden. Nach der Geburt des Zeus aber habe Rhea die Aufſicht über das Kind den Idäiſchen Daktylen ²), welche auch Kureten beißen, anvertraut. Dieſe ſeien von dem Kretiſchen Ida(nach Elis) gekommen, nämlich Herakles, Päonäos, Epimedes, Jaſos und Idas, und Herakles, der älteſte von ihnen, habe beim Spiele ſeinen Brüdern einen Wett⸗ lauf vorgeſchlagen, und den Sieger unter ihnen mit dem Zweige eines wilden Oelbaums bekränzt, der in ſolcher Menge da geneſen, daß ſie ſich die noch grünen Blätter zum Schlafen untergeſtreut hätten.

kaufen und nach England zu bringen, wo ſie in der Wohnung oder den Gärten des Grafen an der Themſe zu London aufge⸗ ſtellt wurden. Der Enkel des Grafen Arundel jedoch, Henry Howard, ſchenkte ſie im J. 1667 der Univerſität zu Orford, wo ſie ſich noch gegenwärtig befinden. Dieſes Marmor Chronicon Parium, wie die Tafeln genannt werden, iſt um 264 oder 262 v. Ch. G.(Dl. 129, 1 oder 2.) entſtanden, und enthielt, vorzüglich den Archonten ſich anſchließend, ein mageres chronologiſches Verzeichniß der Hauptbegebenheiten Griechenlands, beſonders Athens, in einem Zeitraum von 1318 Jahren, indem es mit Kekrops 1582 v. Ch. G. begann und 264¾ v. Ch. G. mit dem Archontat des Aſtyanax zu Paros oder des Diognetos zu Athen endigte. In ſeinem jetzigen Zuſtande, nachdem es durch die Bemühungen verſchiedener Gelehrten(Selden, Humphrey, Prideaux, Maittaire, Robertson, Rich. Chandler, und in der neueſten Zeit Wagner und Böckh) zum größten Theil entziffert worden, reicht es jedoch nur bis 354 v. Ch. G. zum Archontat des Diotimos, indem die letzten 90 Jahre bis 264 v. Ch. G. wegen Verſtümmelung der Tafel fehlen.

²) Die Idäiſchen Daktylen, von dem Berge Ida auf der Inſel Kreta benannt, find in das Dunkel der Sage gehüllt. Jul. Pollux gegen 180 J. n. Ch. G., Lehrer des Kaiſers Commodus, durch den er auch Rhetor in Athen geworden, erklärt dieſelben in ſeinem Oronaorzo als die erſten Handwerker auf Kreta, welche ſich durch mancherlei künſtliche Erfindungen aus⸗ zeichneten, namentlich in der Kunſt, das Erz zu ſchmelzen und zu ſchmieden, und dadurch eine ſolche Bewunderung ihrer Lands⸗ leute erregten, daß ſie für Zauberer gehalten wurden. Ihre Zahl wie ihre Namen werden verſchieden angegeben; auch ſollen ſie, nach Anderen, in Phrygien am Berge Ida ihren erſten Wohnſitz gehabt und von da mit Minos nach Kreta gekommen ſein; in Phrygien werden ſie Prieſter der Kobele, der großen Mutter, genannt, und ſo entſtand leicht die Verwechſelung mit andern Prieſter⸗ namen, als: den Korybanten, Kabeiren, Kureten, oder den Telchinen auf Rhodos. Vergl. Diodoros V. 64, wo auch Herakles einer der vorzüglichſten von ihnen genannt wird, der die Olympiſchen Kampfſpiele eingeführt habe und Strabo N. p. 473. ꝛc.