Aufsatz 
Die Olympischen Spiele : ihre Gründung, Einführung und Zeitrechnung / Georg Graff
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Olympiſchen Spiele), ihre Gründung, Einführung und Zeitrechnung.

Die allgemeinſte und wichtigſte Chronologie in der vorchriſtlichen und auch zum Theil ſpäteren Zeit iſt unſtreitig die nach den Olympiſchen Spielen, nach den Olympiaden; und doch iſt der Anfang, die Gründung und Einführung derſelben ſo wenig feſt und ſicher.

Während die früheſten Dichter und Proſaiſten der Griechen in ihren Zeitangaben und Berechnungen ſich an keine beſtimmte, allgemein anerkannte, feſt ſtehende Zeitpunkte banden, ſondern meiſtens in dieſer Beziehung nur von Generationen und Geſchlechtern redeten, oder in's Unbeſtimmte hinein von ihrer Zeit aus rückwärts zählten, fing nach der 129ten Olympiade, gegen 260 J. v. Ch. G. Timäos aus Tauromenium in Sicilien, der, von Agathokles verbannt, ſich nach Athen begeben hatte, an, in ſeiner allgemeinen Geſchichte, welche Griechenland, Sicilien und den Krieg mit Pyrrhus umfaßte, ſich der Olympiaden zur Chronologie zu bedienen; ihm folgte Eratoſthenes von Kyrene, der zu Alerandrien, wohin ihn der König Ptolemäos Euergetes I. ſeit Ol. 138, 1.(227 J. v. Ch. G.) an die Bibliothek berufen, mittelſt der Olympiaden in ſeinen hiſtoriſchen Schriften ein chronologiſches Syſtem aufſtellte; eben ſo Apollodoros von Athen, der in der erſten Hälfte des 2ten Jahrhunderts vor Ch. G. in ſeiner Chronik dem Eratoſthenes ſich anſchloß, und Phlegon von Tralles in Lydien, der zur Zeit des Kaiſers Adrianus über die Olympiaden geſchrieben; aber dieſe Werke, ſowie mehrere andere, die uns über die Olympiaden ‚ihre Gründung, Berechnung und Anwendung, Licht und Aufklä⸗ rung bieten könnten, ſind größtentheils verloren und finden ſich hauptſächlich nur als Fragmente in dem Chronicon des Euſebius von Cäſarea in Paläſtina, der geboren 264 n. Ch. G., ſeit 315 als Biſchof in ſeiner Vater⸗ ſtadt bis 340 lebte, und in den Gνάαεες(Schriften vermiſchten Inhalts) des Flavius Clemens von Alexan⸗ drien(gegen das Ende des zweiten und zu Anfang des dritten Jahrhunderts n. Ch. G.), und doch ſind ſie es, die in dieſen fragmentariſchen Sammlungen, ergänzt durch die abgeriſſenen chronologiſchen Notizen der Pari⸗ ſchen oder Arundelianiſchen Marmortafeln ¹), die aber ſelbſt keineswegs nach Olympiaden rechnen, und erwei⸗

*) Leider muß ich bemerken, daß ich noch keine Gelegenheit gefunden, mich mit Meier's Abhandlungen über die Olympi⸗ ſchen Spiele, welche die Halliſche Encyklopädie enthalten ſoll, näher bekannt zu machen.

¹) Dieſe Marmortafeln ſind wahrſcheinlich auf der Inſel Paros ausgegraben, nach Smyrna gebracht und hier in einem ſehr verdorbenen Zuſtande von einem gewiſſen Samſon, dem Unterhändler des gelehrten Beſchützers und Beförderers der Wiſſen⸗ ſchaften, des am 24. Juni 1637 als Parlamentsrath zu Aix in der Provence verſtorbenen Peireſcius(Nic. Claude Fabre de peiresc) im Anfang des 17. Jahrhunderts erkauft, ihm aber durch Hinterliſt wieder entriſſen worden. Kurz darnach gelang es indeſſen einem gewiſſen Wilhelm Petty, welchen der, um die Alterthümer hoch verdiente engliſche Graf Thomas Arundel in den Orient abgeſandt hatte, um Inſchriften und andere Denkwürdigkeiten auf zu ſuchen, dieſe Marmortafeln im J. 1627 wieder zu

1