Aufsatz 
Zum Gedächtnis Schillers. Schulrede
Entstehung
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Zum Gedächtnis öchillers.

Rede, gehalten bei der Gedenkfeier

zu Schillers 100 jährigem Todestage am 9. Mai 1905

in der Aula des Lyceum II zu Hannover

von

Dr. v. Grätzel.

Am 13. Januar 1782 ſah man an den Straßenecken zu Mannheim Theaterzettel angeſchlagen mit der Ankündigung:.

Sonntags den 135 Jänner 1782 wird auf der hieſigen Nationalbühne aufgeführet Die Räuber. Ein Trauerſpiel in ſieben Handlungen; für die Mannheimer National⸗ bühne vom Verfaſſer Herrn Schiller neu bearbeitet.

Der Andrang zu der Vorſtellung war gewaltig. Aus allen benachbarten Städten waren die Zu⸗ ſchauer zu Roß und Wagen herbeigeſtrömt, um das Stück zu ſehen, das gleich nach ſeinem Erſcheinen ungeheures Aufſehen gemacht und einen verſtändnisvollen Beurteiler zu dem prophetiſchen Ausſpruch hin⸗ geriſſen hatte:Haben wir je einen deutſchen Shakeſpeare zu erwarten, ſo iſt es dieſer.

Und der Erfolg jener erſten denkwürdigen Räuberaufführung? Ein Augenzeuge berichtet uns darüber:Das Theater glich einem Irrenhauſe, rollende Augen, geballte Fäuſte, ſtampfende Füße, heiſere Aufſchreie im Zuſchauerraum! Fremde Menſchen fielen einander ſchluchzend in die Arme, Frauen wankten, einer Ohnmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflöſung wie im Chaos, aus deſſen Nebeln eine neue Schöpfung hervorbricht!

Zwei Jahrzehnte ſind verfloſſen. Wir befinden uns in Leipzig und leſen auf dem Theaterzettel:

Mit gnädigſter Erlaubnis wird heute, Donnerſtags den 17. September 1801 von den Churfürſtlich Sächſiſchen privilegierten Deutſchen Schauſpielern auf dem Theater am Rannſtädter Tore aufgeführt: Die Jungfrau von Orleans. Ein romantiſches Trauerſpiel in fünf Aufzügen von Herrn Hofrat Schiller.

Der Dichter, auf der Rückreiſe von Dresden nach Weimar begriffen, wollte dieſer erſten Aufführung ſeines Werkes beiwohnen, die ganze Stadt wußte es, das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Kaum ſind die ſtolzen Worte der Jungfrau an den engliſchen Herold verklungen, da durchbrauſt ein Beifalls⸗ ſturm das Haus, von allen Seiten ertönt der Ruf:Es lebe Friedrich Schiller!, Trompeten und Pauken fallen ein mit einem Tuſch. Nach Schluß der Vorſtellung aber drängt alles eilig hinaus und füllt, des Dichters harrend, den weiten Platz vor dem Schauſpielhauſe. Und als nun die hohe, ſtolze Geſtalt erſcheint,