Die Düngung der Obſtbäume. Von Dr. H. Gräfe, Landwirtſchaftslehrer.
J. Die Nährſtoffe des Baumes.
Wie jede Pflanze, ſo braucht auch der Baum zu ſeinem Aufbau und zu der Erhaltung ſeines Lebens 10 Nährſtoffe, nämlich Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Sauerſtoff, Stickſtoff, Phosphor, Schwefel, Kalium, Calcium, Magneſium und Eiſen; fehlt einer der Nährſtoffe, ſo iſt ein fröhliches Wachſen und Gedeihen des Baumes nicht möglich, und es kann ſich derſelbe in einem ſolchen Falle nie⸗ mals bis zum Fruchtanſatz entwickeln, wie denn auch ſchon eine unvollkommene Fruchtausbildung eintritt, wenn einer dieſer Pflanzennährſtoffe in zu geringen Mengen im Boden vorhanden iſt.
Von dieſen 10 Nährſtoffen tragen der Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Sauerſtoff und Stickſtoff, neben geringen Mengen von Schwefel und Phosphor, zur Erzeugung der organiſchen Pflanzenbeſtandteile, der ſogenannten verbrennlichen Maſſe, bei, während die übrigen die Pflanzenaſche ausmachen.
Aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff beſtehen die ſo ſehr wichtigen Kohlehydrate(Stärke, Zuckerarten, Pflanzenfaſer), die Pflanzenſäuren, die Pektinkörper(Schleimſtoffe), die Fette, Wachsarten, ätheriſchen Ole und Kampfer, die Harze, die Kautſchukkörper und zum Teil die Pflanzenfarbſtoffe.
Aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Stickſtoff baut ſich ein Teil der Alkaloide(Pflanzengifte) auf, aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Sauerſtoff und Stickſtoff der andere Teil der Alkaloide, und endlich beſteht aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff, Sauerſtoff, Stickſtoff, Schwefel und zuweilen geringen Mengen von Phosphor die für die Ernährung der Menſchen und Tiere ſo hochwichtige Gruppe der Eiweißkörper.
Dieſe organiſchen Subſtanzen repräſentieren neben Waſſer, welches etwa 30— 35% des Geſamt⸗ gewichtes des Baumes ausmacht, die Hauptmaſſe desſelben und nur wenige Prozente ſind auf die Aſchen⸗ beſtandteile zu rechnen. Dieſe letzteren lagern entweder in feſter Form in der organiſchen Pflanzenmaſſe oder zirkulieren aufgelöſt in derſelben. In welcher Verbindung aber dieſe mineraliſchen Nährſtoffe im Pflanzenkörper auftreten, und welche Rolle dieſelben im Leben des Baumes zu ſpielen haben, iſt bis jetzt noch nicht vollſtändig aufgeklärt. Von dem Phosphor und Schwefel wiſſen wir jedoch, daß dieſe beiden unbedingt zur Erzeugung der Eiweißſtoffe notwendig ſind, ebenſo iſt ſicher nachgewieſen, daß ſich ohne Eiſen kein Blattgrün(Chlorophyll) bilden kann und ohne Kalium letzteres nicht im ſtande iſt, die Kohlenſäure(d. ſ. 2 Teile Sauerſtoff und 1 Teil Kohlenſtoff) der Luft zu Stärke zu verarbeiten. Fehlt es daher der Pflanze an Eiſen und Kalium, ſo muß eine vollſtändige Hemmung des Pflanzen⸗ wachstumes eintreten, da die Stärke, in Holzfaſer umgearbeitet, zum Aufbau der Pflanze verwandt wird. Dem Calcium fällt im Pflanzenleben die Aufgabe zu, die Wanderung und Verar⸗ beitung der Stärke⸗ und Zuckerſtoffe zu bewerkſtelligen. Bei vollſtändigem Mangel an Calcium erzeugt das Blattgrün zwar Stärke, welche indeſſen die Zellen, in denen ſie gebildet wurde, nicht verlaſſen kann, ſondern es häuft ſich dieſelbe in letzteren an, ſodaß eine normale Entwicklung der Pflanze nicht möglich iſt. Welche Funktionen Magneſium im Pflanzenleben zu erfüllen hat, iſt noch eine offene Frage; ſoviel ſteht jedoch feſt, daß ohne dieſen Nährſtoff der Baum ſich niemals bis zum Fruchtanſatz entwickeln kann.
Was die Aufnahme der genannten Nährſtoffe anbelangt, ſo erfolgt dieſelbe teils durch die oberirdiſchen Organe der Pflanze, belonders durch die Blätter, teils durch die Wurzeln. Durch die Blätter nimmt der Baum, wie überhaupt alle Pflanzen mit blattgrüntragenden Blättern, den Kohlenſtoff in Form von Kohlenſäure auf, welche letztere in erheblichen Mengen bei den unaufhörlich ſich vollziehenden Ver⸗ brennungs⸗ und Verweſungsprozeſſen ſich bildet und in die Luft entweicht, ſodaß der Kohlenſäuregehalt derſelben vollſtändig ausreicht, um den Kohlenſtoffbedarf unſerer Pflanzen zu decken. Dieſe Kohlenſäure gelangt durch die winzig kleinen Spaltöffnungen, welche ſich beſonders in großen Mengen an der Unter⸗
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