Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
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nochmals, Haubolt möge doch mit diesem Schein und mit der Erklärung zufrieden sein. Aber darauf ging Haubolt unter keiner Bedingung ein, er finde es gar nicht so schwer, wie der Abgeordnete glaube, sich lieber zu einem zu halten, der gut lutherisch sei, als zu einemder Papistisch seye, in erwegung die letzteren doch das geringste wort nicht zu halten pflegten. Sei man in der Stadt gut lutherisch, so bleibe gar keine andere Wahl, als jede Leistung an die Kaiserlichen einzustellen. Darauf konnte Heuchlin keine bestimmte Zusage machen, aber, er erklärte, er wolle es dem Rat vortragen, sobald er wieder in Frankfurt sei. Haubolt versprach darüber selbst nach Frankfurt zu berichten wir haben diesen Brief bereits weiter oben unter I, 10 erwähnt 1), Heuchlin müsse ihn nun entschuldigen, er sei bei seinem Obristen Leutnant heute zu Gast und könne daher den Abgesandten nicht selbst tractieren, er möge sich mit derSoldatisch Tractation im Schlofse begnügen, aber am folgenden Morgen um 8 Uhr wieder bei ihm erscheinen.

Diesesoldatisch Tractation, an der wohl alle schwedischen Officiere, soweit sie nicht mit dem Obersten zur Tafel des Oberstlieutenants geladen waren, teil pahmen, verlief nicht so harmlos, wie man es dem frankfurter Abgesandten in Anbetracht des mühevollen Tages, den er nun hinter sich hatte, gewünscht häatte. Bei Tisch sals neben ihm der Oberschultheiſs von Hanau, derselbe, der auch bei der Unterredung mit Haubolt zugegen gewesen war und durch allerlei Einwürfe die Sache verzögert und aufgehalten hatte. Er scheint sich darüber geärgert zu haben, daſs die Schweden mit Frankfurt so lange verhandelten, so glimpflich verfuhren, während Hanau ohne weiteres eingenommen worden war. Auch jetzt bei Tisch liels er seiner Zunge freien Lauf, sodals Heuchlin ihn mehrere male ganz gehörig zurechtweisen mufste. Der Schultheifs wiederholte seine Aeuſserung, die er bereits vor dem Gubernator gethan, dals er wohl wisse, wie vielen in Frankfurt, selbst im Rat, die Ankunft des Schwedenkönigs sehr erwünscht sei, und dals nur wenige seien,die resolvirt, sich ehr in Stückhen zerhauen zu lassen, ehe sie von ihrem victoriosen Kayser abweichen wollten. ²) Man kann sich wohl denken, welch schallendes Gelächter diesenguten Witzen folgte, aber man kann es auch dem Abgeordneten nicht verargen, wenn er darauf etwas schärfer, als es sonst in seiner klugen und vorsichtigen Art lag, antwortete. Er habe, meinte Heuchlin, bisher noch nicht gewuſst, daſs der Oberschultheils auch im frankfurter Rat gesessen, sollte das aber nicht der Fall gewesen sein, so müsse er doch sehr für solcheFabeln und conjecturen, danken. Heuchlin verschweigt auch solche Scenen nicht, er malt sie uns lebhaft aus; wir sehen den Kreis der Officiere vor uns, sie rücken immer näâher heran zu den beiden Streitenden, sie feuern sie zu immer neuen Wortgefechten durch aufmunternde Zurufe, durch eifriges Zutrinken an, immer mehr erhitzen sich die Köpfe, die Officiere nehmen endlich selbst an den Wortgefechten teil, die einen sind für Heuchlin, die anderen stellen sich auf die Seite des Oberschultheilsen, da ihnen die stolze und selbst- bewulste Art des Reichsstädters nicht zusagt, endlich droht aus dem Wortgeplänkel ernstlicher Streit zu werden, da erhebt sich, noch zur rechten Zeit, der besonnene Heuchlin, Müdigkeit vorschützend, verlangt er nach seinemLosament. Damit ist der Streit beendet, aber noch lange bleiben die Officiere beisammen, trinkend und rauchend ³) bis der reiche Weinvorrat erschöpft ist.

Am folgenden Tag war Heuchlin früh um 8 Uhr wieder bei dem Obersten, der ihm nochmals auftrug, dem Rat zu sagen, er wolle einerunde Antwort und zwar langstensbiſs Freitags(1 1ten Nov.), falls diese bis dahin nicht erfolgt sei, müsse er seinem König die Anzeige davon machen. Aber er bitte

¹) Vgl. p. 14, Anm. 3.

²) Diese Aeufserung wird bei späteren Verhandlungen dem Schultheifsen Baur von Eiseneck in den Mund gelegt.

¹) Nach Soden I, p. IX. f. ist das Tabakrauchen durch die Schweden nach Deutschland verpflanzt worden. Die Bewohner von Königshofen glaubten, die Schweden hättenFeuer im Leibe, weil ihnen der Rauch zum Hals herausging. ib. p. X. Uebrigens ist die Tabakpflanze bereits 1565 nach Deutschland gekommen. Vgl. Hellwald, Kulturgesch. II, 467.