Aufsatz 
Die Schweden in Frankfurt am Main : 1. Bis zu Gustav Adolfs Ankunft in der Stadt, 17. Nov. 1631
Entstehung
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man wisse wohl, wie es zuzugehen pflege, wenn fremdes Kriegsvolk vor eine Stadt komme, habe hin- reichend Kriegserfahrung, brauche also von den Abgeordneten keine Belehrung. Ubrigens wolle er ihnen nur sagen, dals die Stadt sich nicht einen Tag zu halten vermögesie sey nicht so fest und stark als hanaw, noch dennoch sey hanaw so leichtlich eingenommen worden. Es könne übrigens gar leicht geschehen, dals der König von der einen Seite herankomme, Tilly werde dann nicht säumen, von der anderen herbeizueilen, und fúr solchen Fall, dafs Tillywohl ehnder herbey kommen werde, als Königl. May., sei dem König mächtig daran gelegen, dalssolches Volck nicht in die Statt komme. Die Abgeordneten replicierten, solcher Fall sei undenkbar, da man von Tilly die festesten Versprechungen habe, solle es jedoch geschehen, dafs er sein Wort breche, so werde man sich desKönigl. Volcks assistenz erbitten. Darauf erwiderte Haubolt:auf die vertröstung[der andern] sei sich nicht zu verlassen, den Evangelischen werde nichts gehalten, Tilly könne herbeikommen, ehe man schwedischen succurs einzunehmen im stande sei. Übrigens, so meinten die Abgeordneten nun ihrerseits, werde man sich auf Vertröstungen allein nicht verlassen, sondern sich Macht nehmen, wie sie bereits vorhin angedeutet hätten. Alle diese Versicherungen scheinen jedoch dem Obristen nicht hinreichend gewesen zu sein, und so verlangt er denn nochmals eine bestimmte Erklärung, daſs dem Feind kein Vorschub geleistet werde.¹) Die Abgeordneten glauben auch diese geben zu können, daſs mitPulver, munition und der- gleichen andrem volck kein fürschub gethan werden solle, nur bàten sie um Entschuldigung, wenn zu Zeiten mit Proviant ausgeholfen werde, das könne man nicht gut abschlagen. Das wurde ihnen denn zugestanden, dabei aber ausdrücklich verlangt, dals man sich schriftlich zu allen eingegangenen Ver- pflichtungen bekenne. Als die Abgeordneten erklarten, sie hielten schon ihr Creditiv für hinreichende Sicherheit für ihn, da erwiderte ihnen Haubolt, er könne und wolle nicht auf diesenSchriftlichen schein verzichten, er müsse ihn unter allen Umständen haben.

Das war nun freilich das Schlimmste, was er von den äuſserst diplomatisch auftretenden Ab- geordneten verlangen konnte; mündliche Abmachungen konnten im Notfall widerrufen werden, der Schein dagegen, wie ihn Haubolt verlangte, blieb und zeugte gegen sie.

So antworteten sie denn, hierüber fehle ihnen jede Instruction, sie müfsten das erst dem Rat vortragen, aber vorher seitens des Obersten fest versichert sein, dals der Schein, falls der Rat darauf eingehe, niemals in fremde Hand gelange. Sie wollten sich übrigens an den König selbst wenden und bäten ihn, dafür zu sorgen, dafs das mit Sicherheit geschehen könne.

Haubolt meinte, es sei nicht nôtig, darüber an den König selbst zu gehen, er werde auf sein Wort den Schein bei sich behalten, bis er ihn dem König selbst übergeben könne. Uebrigens, da die Abgeordneten erklärten, sie müſsten das alles ad referendum nehmen, widerhole er ihnen nochmals aus- drücklich, dals des Königs Intention nur auf das Wohl desevangel. Wesens gerichtet sei, er werde niemand in seinen Rechten und Freiheiten kränken, das möchten sie doch ja auch dem Rat zu bedenken geben. Die Abgeordneten erwiderten, der Rat setze in des Königs Intentionen keinen Zweifel, werde dieselben auch nicht hindern, aber vor allem möge doch der Oberst bedenken, dals man auch Pflichten gegen den Kaiser habe, denen man unter allen Umständen nachkommen müsse. Darauf antwortete Hau- bolt, der Kaiser halte doch auch nicht, was er den Ständen zu halten schuldig und was er versprochen. Die Abgeordn.:das müsse man an seinen Ort gestellet sein lassen, E. E. Rath gebüre nicht den Kaiser zu reformiren oder sich für sich selbsten nicht Kays. May. gehorsam zu zeichen, sondern das stehe höheren Stenden zu, wenn dieselben ihr officium thun, werde sich E. E. Rath auch zu verhalten wissen.²) Das war eine allerdings etwas bedenkliche Aeulserung, mit der sie die Reserve, in welcher sie

63 So war kurz zuvor den Kaiserlichen noch mit 300 Piken, die man von Nürnberg(von dem Spiefsmacher Krützer) hatte kommen lassen, ausgeholfen worden. cf. Soden I, 32. ²) Kirchner hat fälschlich diese Stelle in die 2. Unterredung mit Gustav Adolf aufgenommen. Dort fehlt sie in den Acten, während sie hier ausdrücklich zugefügt ist. vgl. Rhein. Taschenbuch etc. p. 293 95. 2*