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Als dritten Puiikt der Erweiterung bezeichne ich die Errichtuiig von zwei neuen Klassen, einer unteren, sechste Klasse oder Vorschule genannt, und einer neuen Oberklasse. Der Ueber- gang«von der früheren Verfassung der Schule zur nunmehrigen geschah aus folgende Weise. Aus der Vorbereitungsschule, welche als ergänzender Vestandtheil ausgenommen wurde, entstand die sechste Klasse, aus der früheren vierten die jetzige fünfte, aus der dritten die vierte, aus der zweiten Abtheilung der zweiten Klasse die jetzige dritte, aus der ersten Abtheilung die zweite Klasse und aus der seitherigen ersten Klasse bildete sich die neue erste Klasse, indem die Schüler derselben die Anstalt noch ein Jahr weiter besuchten. Die sechste Klasse hat eine dreijährige Lehrdauer für Knabe-i vom 6.—9. Lebensjahr, die fünfte Klasse eine zweijährige für Schüler vom 10. und 11. Lebensjahr, die vierte, dritte und zweite je eine einjährige für Schüler vom 12., 13. nnd 14. Lebensjahr und die erste Klasse wieder eine zweijährige für Schüler vom 15. nnd 16. Lebensjahr. Bei entsprechender Schülerzahl läßt sich diese Einrichtung noch be- deutend vervollkommnen, und von Seiten des Lehrerpersonals wird es stets als eine heilige Pflicht angesehen werden, alleii gerechten und billigen Anforderungen zu entsprechen, Ver- besserungen zu jeder Zeit anzustreben und unter den gegebenen Verhältnissen das Beste zu leisten.
Die Vermehrung der Klassen verlangte die Herstellutig zweier neuen Klassenzimmer im Schulhause, was bei den zu unserer Verfügung stehenden Räumlichkeiten keine leichte Ausgabe war. Doch ist von Seiten unseres Stadtvorstandes geschehen, was unter den vorliegenden Um- ständen geschehen konnte, und wenn nicht geläugnet werden kann, daß fast alle Klassen angefüllter sind, als es für die Gesundheit von Lehrerii und Schülern zu wünschen wäre, so muß man auf der andern Seite anerkennen, daß die Räuine fast durchgehends hell und freundlich erscheinen. Gern wollen wir vorerst manche Unbequemlichkeiten hinsichtlich der Räumlichkeiteii ertragen, weil wir die sichere Hoffnung hegen, daß, wenn die Nothwendigkeit herantritt und die Schülerzahl noch weiter steigt," unser Stadtvorstand mit derselben Bereitwilligkeit Abhülfe verschaffen wird, mit der er seither das Gedeihen der Anstalt gefördert hat.»«
Als letzten Punkt der Erweiterung habe ich noch die Vermehrung der Lehrerstellen anzu- führen. Zu den bereits erwähnten 5 Hauptlehrerstelleri wurden noch 2 weitere errichtet und mit entsprechenden Lehrkräfteii besetzt; außerdem wurde ein israelitischer Neligionslehrer ernannt. Das Lehrerpersonal besteht also jetzt aus dem Director, sechs Hauptlehrern und dem israelitischen Religionslehrer.««.
Auch die Gehalts- und Schulgeldsätze erfuhren eine Umgestaltung. Die Gehalte des Directors und der zwei ältesten Lehrer wurden verbessert und es betrugen nun die Besoldungen des Directors und der 6 Hauptlehrer der Reihe nach 1500, 1000, 800, 700, 500, 350 Gulden. Hierzu kam noch von jetzt an für die fest angestellten Lehrer die sogenannte Naturalvergütung, d. h. der vierte Theil der Besoldung wurde nach den Preisen einer früheren Periode und nach- den laufenden Naturalpreisen berechnet und der Unterschied den Beamten als eine den jeweiligen Zeitverhältnissen entsprechende Gehaltsaufbesserung ausbezahlt. Das Schulgeld für die Klassen VI bis l betrug 12, 16, 20, 24, 28 und 32 Gulden. Die Gesammtkoften für die Unterhaltung der Schule beliesen sich jetzt auf etwa 7500 Gulden; hierzu gab der Staat einen jährlichen. Beitrag von 1500 Gulden, das Schulgeld betrug uiigefähr 4200 Gulden, den Rest von etwa 1800 Gulden deckte die Stadt Alsfeld.
Jn Folge der Erweiterung wurde die Anstalt laut Bundesgesetzblatt Nr. 6 vom 10. März 1869 als Realschiile II. Ordnung unter diejenigen höheren Lehranstalten aufgenommen, welche— zurAusstellung vonBefähigungszeugnissen für den einjährig-freiwilligeii Militärdienst berechtigt find.(Von da an bis jetzt haben 282 Schüler, welche die erste Klasse zur Zufriedenheit der Lehrer durchlaufen haben, dieses Zeugniß erhalten).
Als im Jahr 1867 die Erweiterung der Schule auf 6 Klassen ins Auge gefaßt wurde, war man von der Voraussetzung ausgegangen, die Zahl der Schüler werde im günstigsteii Falle auf 140 anwachfm Aber schon im Jahr 1868 stieg die Zahl auf 169 und am Anfang des Schuljahrs 1869,.--"70 auf 223, wodurch die Errichtung einer neuen Klasse und die Anstellung.


