sätze auszusöhnen und zu überbrücken, einer Gemeinschaft, in der derselbe Geisen- heimer bahnbrechend gewirkt hat, den Idealen treu, die ihn einst zur Gründung des Philanthropins geführt.
So trat er unserem Bunde bei. Durch die Macht seiner achtunggebietenden und doch liebenswürdigen Persönlichkeit erwarb er sich im Kreise der Loge und der Brüder reiches Ansehen und viele Freunde. Es war ihm eine besonders grosse Freude, als er dem Bunde einen seiner Söhne zuführen konnte. Er ward ein eifriger Förderer unserer Sache, und sein Interesse für unsere Bestrebungen, für den Bund und die Loge erlahmte nie.
So stand er in unserer Kette, zusammenwirkend mit solchen, die einst mit den Grundstein gelegt zur Verwirklichung des Humanitätsgedankens und freier Geistesarbeit, mit solchen, die einst seine Schüler waren und nun mit ihm gemein- schaftlich arbeiteten, mit solchen, die er mit anderen zusammen begeisterte zu freimaurerischem Wirken.
Und was er einst gelobt beim Eintritt in den Bund, ein treuer Mitarbeiter am Bau des echten Menschentums zu sein: er hat es treulich gehalten durch fast ein Menschenalter. G
Erzogen und herangebildet in einer Weltanschauung, die ihn lehrte, alles, was sich ihm bot, unter dem Gesichtspunkte der Vergangenheit zu betrachten, darauf zu prüfen, ob es edel und rein, nichts als klein und flüchtig anzusehen, sondern der tieferen Bedeutung der Dinge nachzuforschen, fand er seine Lebens- aufgabe in der Erziehung der Jugend zum Wissen und zur Liebe.
Er selbst, einst aufs bitterste zuruckgesetzt und gekränkt durch die Gewalt blinden Hasses und kleinlichen Vorurteils, zog sich doch nicht auf sich selbst zurück, und warnte andere hiervor; nein, gerade deshalb und um so mehr fühlte er sich als Glied des Ganzen, wirkte er für die Gesamtheit, diente er der Allgemeinheit.
Ein treuer Hüter seines Glaubens und allzeit bereit, ihn zu schützen, zu fördern und zu bereichern, sowie seinen Religionsgenossen beizustehen, wenn deren verbriefte Rechte missachtet wurden, setzte er sein Ziel doch höher, führte ihn sein Denken und Streben doch über die Grenzen engen Bekenntnisses hinaus. Er suchte und liebte die Menschen, er diente den Menschen und arbeitete für sie, ob reich, ob arm, ob Jude oder Christ.
So lebte er unter uns fast 40 Jahre.
Wir sahen ihn in frischer Jugendkraft, begeistert und begeisternd seinen Beruf ausüben; wir sahen ihn in vollem Mannesalter, wie er an der Spitze vieler Unternehmungen stand, nicht ruhte und rastete und vielseitig veredelnd wirkte, geistig anregend, wirtschaftlich fördernd; und wir sahen ihn endlich, äusserlich schon gebeugt vom Greisenalter, wie er doch noch reich im Denken war und offenen Auges und Herzens für alles, was an geistigem Ringen die Nation bewegte und das Volk und die Welt. Fortgesetzten, innigen Anteil daran nahm er, und er vertieſte die Geschehnisse in seinem Innern und erklärte sie sich und anderen, die begeistert lauschten, in weisheitsvoller Betrachtung, geschöpft aus dem Borne reicher Lebenserfahrung.


