Aufsatz 
Die ältesten alliterirenden Dichtungsreste in hochdeutscher Sprache : das Hildebrandslied, die Merseburger Zaubersprüche, das Wessobrunner Gebet und Muspilli : berichtigte Urschrift mit metrischer Uebersetzung in der ursprünglichen Versform und Anmerkungen / von H. Feussner
Entstehung
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So erscheint besonders das schwache goltborto und das starke goltbort ohne Unterschied der Bedeutung für Goldborte, Goldbesatz, Goldeinfassung. Gleiche Bildung hat un- ser staimbort, welches hiernach eine Einfassung, einen Besatz aus Steinen(Edelstei- nen) bedeuten muss. Im Mittelhochdeutschen scheint der Sprachgebrauch zwischen der starken Form bort und der schwachen borte einen Unterschied eingeführt zu haben. Am bei weitem häufigsten ist das schwache borte, welches von der Einfassung oder dem Besatz an Rleidern und andern Gegenständen gebraucht und insbesondere ein aus edlem Stoff, vorzugsweise aus Seide bestehendes, mit Gold durchwirktes und mit Edelsteinen besetztes Band bezeichnet, z. B. Nibl. 793, 1. Von Ninivè der siden si den borten truoc, mit edelem gesteine. Nibl. 51, 4. vil der edelen steine die frouwen leiten in daz golt, die sie mit porten wolden wurken uf ir wat den jungen stolzen recken.

Die starke Form bort kommt in diesem Sinne nicht vor, sondern wird ausschliesslich von der Bretterbekleidung der Schiffswände gesagt. Zu belegen weiss ich sie jedoch erst an der Scheide des mittel- und neuhochdentschen Zeitraums aus Seb. Brant's Narrenschiff, W. Wackernagel's altd. Leseb. S. 1067 f: und netzen das bapyren schyf, ein yeder etwas risst dar ab, das es dest mynder bort hab.

In der Stelle unsers Bruchstücks bei dem Anrennen mit dem Speer zum Stosse, wird nun am natürlichsten zunächst an den Schild gedacht, der zur Ablenkung des Stosses vorgehalten wurde; staimbort müsste dann einen mit Edelsteinen ausgelegten Besatz am Schilde bezeichnen. Was könnte dies nun sein? Einige Stellen des Nibelungenliedes geben den besten Aufschluss. Sie erwähnen eines zweifachen Edelsteinbesatzes am Schilde: 1) nämlich als Schildvezzels, d. h. als Bandes, woran der Schild getragen und gehalten wurde, wie

Nibl. 415, 1. der meide schildevezzel ein edel borte was, dar úf lgen steine gruene alsam ein gras, der lähte maneger leije mit schine widerz golt.

2) als der auf den Schilden vornehmer Helden mit Edelsteinen eingelegten Schildspangen, womit der Schild auf seiner äussern Fläche zusammen gehalten wurde, z. B.

Nibl. 37, 2. man sah vil der edelen steine gevellet uf daz gras . abe lichten schildes spangen: von hurte daz geschehen was. Ebend. Str. 2149. Wie rehte gremliche vil swerte drinne erklane! vil der schildspange dz den slegen spranc: des reis ir schiltsteine nider in daz bluot. Ebend. Str. 926. Swie wunt er was zem tode kreftecliche er sluoe, daz üzer dem schilde draete genuok des edelen gesteines: der schilt vil gar zebrast.

. Da in der Stelle unsers Liedes von einem Gegeneinanderansprengen beider Gegner zum Stoss mit der Lanze die Rede ist, und der Lanzenstoss mit dem Schilde aufgefangen wird, so leuchtet ein, dass hierbei weniger an den zum Tragen und Halten des Schildes dienenden Schildfessel, welcher dem Stosse zunächst nicht ausgesetzt ist, gedacht werden kann, als an die mit Edelstei- nen besetzten Schildspangen auf der Oberfläche des Schildes, welche die drei letzten Stellen des Nibelungenliedes erwähnen. Diese werden wir also unter staimbort in unserm Liede zu verstehen haben, und die Annahme liegt nahe, dass die bezeichnete Sache auch zur vorgehenden maſlane dieselbe Beziehung werde gehabt haben. Nun wird in dieser und den zwei folgenden Stellen der Nibelungen des steinbesetzten Schildgespänges jedesmal zu dem Zweck erwähnt, um