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Beilage zum jJahresbericht des Großherzoglichen Gymnasiu zu Bensheim. Ostern 1014. S
Griechische Ethik auf römischem Boden.
Von
Larerdinomer der Oberrealschule
Was mir bei der Abfassung dieser Arbeit vor Augen schwebte, bedarf keiner langen Erklärung. Sie will das Material geben zur Einführung in die Kenntnis einiger antiker ethischer Systeme, wie sie durch griechische Philosophen auf römischen Boden verpflanzt worden sind und hier Gestalt genommen und Bedeutung erlangt haben. Eine kurze kritische Würdigung schliesst sich jedesmal an die Darstellung an.
Die Forderung, dass mit der griechischen Philosophie und ihrer Fortsetzung in der hellenistisch-römischen, besonders aber mit der griechischen Ethik auch heute in unserer materialistisch gerichteten Zeit die Schüler unserer höheren Schulen be- kannt gemacht werden, wird wohl keinem Widerspruch begegnen.
Die griechische Philosophie steht in ununterbrochener Wechselbeziehung zu der Geschichte der Poesie und Kunst, des Volks- und des Staatslebens nicht nur der Griechen, sondern auch der Römer, die bei ihnen in der Philosophie in die Schule gegangen sind. Will man also den höheren Lehranstalten das Ver- ständnis des griechischen Altertums in seiner Gesamtheit erschliessen, dann darf man nicht stillschweigend an der Philosophie vorübergehen, man muss vielmehr ihrer Stellung und Bedeutung in der Entwicklung des abendländischen Geisteslebens im Unterricht, wo es geht, Rechnung tragen. Ich rede hier nicht der Einführung in diese Wissenschaft in der Form eines propädeutischen Unterrichts das Worti¹). Aber mit
¹) Der würde, wie auch Paul Wendland auf der Marburger Philologenversammlung aus- führte(vgl. Das humanistische Gymnasium, 1913, S. 197), ebenso sicher wie ein besonderer Unterricht in der Bürgerkunde seinen Zweck verfehlen. Eingehend handelt über diese Frage G. Schneider, Der philosophische Unterricht in den höheren Schulen, Zeitschrift für Gymnasialwesen 1903, S. 99 ff.
1914. Programm Nr. 909.


