Aufsatz 
Aus Schillers Studentenzeit
Entstehung
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viel Schönes darin gesagt und besonders viel Feuer darin gezeigt habe; dämpfe man dieses noch ein wenig, so könne er gewiss noch einmal einrecht grosses Subjectum werden.

Erst 1780 errang sich Schiller die Entlassung durch die ge- dankenreiche, feurig ungestüme, mit Dichterzitaten reich gespickte Sehrift über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen. Darin muss auch ein englischer Dichter ‚Krake eine Stelle aus einer Tragödie ‚Life of Moor als Be- weisstück hergeben: Schiller hatte ein Zitat aus denRäubern eingeschmuggelt. Sein Auftreten und Aussehen, dieschön ge- formte Nase, der tiefe, kühne Adlerblick, der unter seiner vollen, breitgewölbten Stirne hervorleuchtete, machte bei einer Schluss- disputation am 44. Dezbr. 1780 auf den Musiker A. Streicher, der den jungen Feuergeist hiebei zum erstenmal sah, einen so unauslöschlichen Eindruck, dass er sich noch achtundvierzig Jahre später an alle Einzelzüge lebhaft erinnerte.

Am 15. Dezember 1780 verliess Schiller im Alter von ein- undzwanzig Jahren die Militärakademie und trat mit dem schäbigen Gehalte von 18 Gulden= 30 Mark monatlich als Regiments- medikus mit Feldschersuniform, ohne Öffiziersrang, in das ganz verwahrloste, aus bresthaften Jammergestalten zusammengesetzte Grenadierregiment von Auge ein. Eine schwere Enttäuschung für ihn wie für seinen Vater, doch fügten sie sich in das Un- vermeidliche. In der Hoffnung, sein Fritz könne sich dureh Privat- praxis ein genügendes Einkommen verschaffen, liess ihm Vater Schiller um 120 Gulden zwei Zivilanzüge machen und unter- breitete dem Herzog die Bitte, dass sein Sohn ausser Dienst diese Kleider anziehen dürfe. Schroff entgegnete der Fürst:Sein Sohn soll Uniform tragen.

Er trug sie nieht lange. Die am 18. Januar 1782 in Mann- heim unter beispiellosem Jubel erfolgte Aufführung derRäuber rief für ihn schwere Konflikte mit dem Herzog herauf, der ihm zuletztbei Strafe der Kassation verbot, Komödien zu schreiben. Da reifte in Schiller der Entschluss die Ketten, die ihn an Württemberg fesselten, gewaltsam zu zersprengen. In der Nacht vom 22. auf den 23. Septbr. 1782 entfloh er mit seinem Freunde Streicher aus Stuttgart. Ihr Reiseziel war Mannheim. Als Schiller an der kurpfälzischen Grenze die Landschaft, die Bewohner, die blauweissen Schranken erblickte, da wich der dumpfe Zwang und seine über den Abschied von Vater und Mutter schwer-