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übrigen Lehrgegenſtände brach liegen laſſen, nur die Anhäufung von Gedächtnißmaterial, nur todtes Wiſſen erſtrebt wird, dann wollen wir es entſchuldigen, wenn man ſtatt ſeiner lieber veraltete, meiſt nur mechaniſch eingeübte Künſte, auf welche manche als auf ein gewichtiges Können gegenüber dem bloßen Wiſſen in der Gegenwart wieder großen Nachdruck legen, als Hauptbildungsmittel an Gymnaſien reſtauriren möchte. Wenn aber der naturwiſſenſchaftliche Unterricht die Bereicherung des Geiſtes durch Anſchauungen und Ein⸗ ſichten, welche ſich auf die ganze eine reale Hälfte der menſchlichen Erkenntnißſphäre beziehen, die Weckung und Ausbildung des Sinnes und Verſtändniſſes für die erhabenen und vollkommenen Werke der göttlichen Weisheit und Liebe, der Ehrfurcht vor dem Schöpfer und vor der Wiſſenſchaft von ſeinen Schöpfungen, über⸗ haupt eine formale Bildung erſtrebt, welche an klare Anſchauungen, Vorſtellungen und Ideen gewöhnt und nicht leere Formen, ſondern zugleich die Erfüllung derſelben mit dem lebendigſten Inhalt gewährt, wenn ohne ihn ein genügender, der heutigen Bildungsſtufe entſprechender Grad von Intelligenz nicht erreicht werden kann, dann wird man doch nicht länger umhin können dieſen Lehrgegenſtand auch zu den Haupt⸗ fächern eines Gymnaſiums zu rechnen. 3 1
Man wird gegen alles dieſes nun wohl einwenden, daß zur Erreichung dieſer Zwecke weder die Kraft der Schüler, noch der von uns ſelbſt in Anſpruch genommene kleine Bruchtheil der Lehrzeit auslangen dürften. Nach unſerer Ueberzeugung liegt in der Zeitbeſchränkung, wie wir ſie hier vorausgeſetzt, kein unüberwindliches Hinderniß. Die Liebe, welche ſich unter ſonſt günſtigen Umſtänden für dieſen Lehrgegen⸗ ſtand erwecken läßt, kann einen hoch anzuſchlagenden Erſatz für den Mangel an Zeit bieten; aber zur An⸗ regung einer ſolchen Theilnahme der Schüler ſind die übrigen Bedingungen, welche wir gefordert haben, unerläßlich. Wenn es erſt dem Unterrichte gelungen iſt dieſes Intereſſe für ſich zu erwecken, wird ihm eine bedeutende Förderung ſeiner weſentlichſten Zwecke durch die Selbſtbeſchäftigung der Schüler auf Spazier⸗ gängen und in den Ferien zu Theil werden. In dieſer Weiſe wird der naturwiſſenſchaftliche Unterricht zu den Klagen über die Folgen der Ueberbürdung der Schüler von ſeiner Seite am wenigſten Veranlaſſung geben. Ueberhaupt ſcheinen uns dieſe Klagen, wo ſie begründet ſind, noch mehr in der Lehrmethode und in der Ueberſchreitung des rechten Maßes in einem oder dem andern Lehrgegenſtande, als in der Menge der Lehrfächer begründet zu ſein. Nach unſerer Erfahrung haben tüchtige Köpfe in allen Lehrgegenſtänden nicht bloß den billigen Anforderungen entſprochen, ſondern ſelbſt mit Auszeichnung ihr Maturitätsexamen beſtehen können, wenn ihnen nur Intereſſe an dieſen Lehrgegenſtänden eingeflößt wurde und vor allem, wenn ſie das Glück hatten, vor den ihrem Fleiß und ihrer Geſundheit verderblichen Zerſtreuungen und Ver⸗ gnügungen der heutigen Jugend bewahrt zu bleiben. Auf ſehr mittelmäßige Köpfe ſollte man den Lehrplan eines Gymnaſiums nicht vorwiegend berechnen, und ſelbſt dieſe würden, wenn man die ihnen zum Theil ſchon angeborene Einſeitigkeit noch durch die Einrichtungen des Unterrichts begünſtigen wollte, im Leben und für den praktiſchen Beruf, den ſie in der großen Mehrzahl ergreifen, ſich nur noch unbrauchbarer erweiſen. Weit mehr als in Bezug auf die Schüler hat die Gegenwart die Anforderungen an die Lehrer geſteigert, und es wäre ſehr an der Zeit, daß diejenigen, welche zur Hebung und Verbeſſerung der Gymnaſien Vor⸗ ſchläge zu machen berufen ſind oder ſich berufen glauben, die Mittel und Wege zur Hebung des Lehrſtandes auf dieſen geſteigerten Grad von Tüchtigkeit mehr noch als das Beſſern am Lehrplane ins Auge faßten. Wir unſerſeits ſind überzeugt, daß aller Segen, welchen wir uns nach den vorſtehenden Erörterungen von dem naturwiſſenſchaftlichen Unterrichte für die Gymnaſien verſprechen dürfen, nicht in Erfüllung gehen wird, ſo lange nicht die Bedingungen für die Gewinnung tüchtiger Lehrkräfte in dieſem Gegenſtande erfüllt ſind.


