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auf die Ausbildung des Kennerblicks bei Beurtheilung der Dinge und Stoffe ankommt, oder ob ſie zum Militär⸗ oder Forſtweſen u. ſ. w. übergehen, mit allen dieſen Berufszweigen werden die Naturwiſſenſchaften und die durch ſie vermittelte geiſtige Bildung in der Regel in innigerer Beziehung ſtehen, als die, welche die alten Sprachen gewähren können. Wird man es verantworten können bei der Einrichtung der Gymnaſien auf das Ziel, welches drei Viertheile der Schüler erſtreben, keine Rückſicht zu nehmen? Es würde das um ſo unbilliger ſein, als ſich der Unterricht ſo anordnen läßt, daß ihrem Bedürfniſſe wenigſtens im Weſent⸗ lichſten ohne Nachtheil für die übrigen Rechnung getragen werden kann. Ob ein Knabe ſich zu einer wiſſen⸗ ſchaftlichen Laufbahn eignet, kann in der Regel in den erſten Jahren ſeines Schulbeſuchs ſich nicht mit Ent⸗ ſchiedenheit herausſtellen. Damit aber die individuellen Anlagen der Schüler ſich ſchon in den untern Klaſſen klarer herausſtellen und bei der Wahl ihres künftigen Berufes mehr berückſichtigt werden können, muß die Schule einen mannigfaltigern Lehrſtoff ſchon in den unteren Klaſſen darbieten; insbeſondere ſind für dieſen Zweck die Naturwiſſenſchaften unentbehrlich, da ſich an ihnen das Anſchauungs⸗ und Beobachtungsvermögen und die praktiſchen Talente am früheſten offenbaren, wozu denn auch die freie Thätigkeit, welche dieſer Un⸗ terricht fördert, eine ſehr günſtige Gelegenheit darbietet.
Unter denjenigen Schülern, welche das Gymnaſium abſolviren, findet ſich auch ein in der neuern Zeit in ſteter Zunahme begriffener Theil, welcher die Naturwiſſenſchaften als Fachſtudium wählt, ſei es um ſich ſpäter dem Lehrſtande oder auch dem praktiſchen Betrieb eines Zweiges dieſer Wiſſenſchaften zu widmen. Man fordert von den Gymnaſien, daß ſie auf das Studium aller der Wiſſenſchaften, welche auf den Uni⸗ verſitäten gelehrt werden, ihre Zöglinge vorbereiten ſollen. Die Vorbildung für das Studium der Natur⸗ wiſſenſchaften kann ſich aber auf Sprachen und Mathematik allein nicht gründen; insbeſondere entwickeln die Sprachen die geiſtigen Fähigkeiten in einer andern Richtung, als ſie das Studium der Naturwiſſen⸗ ſchaften zur Grundbedingung hat. In manchem dieſer Schüler ſchlummert vielleicht ein ausgezeichnetes Talent für Naturforſchung, deſſen er ſich bei den gewöhnlichen Unterrichtsmitteln gar nicht, oder nur durch zufällige glückliche Umſtände bewußt werden könnte. Es erfordern aber dieſe Wiſſenſchaften bei ihrem Um— fange, ihrer Schwierigkeit und ihrer täglich zunehmenden Wichtigkeit immer zahlreichere und tüchtigere Ar⸗ beiter. Dies iſt auch im allgemeinen Intereſſe begründet; denn nur die Naturwiſſenſchaften können die Mittel gewähren, wodurch wir hoffen dürfen, die Uebel der Uebervölkerung abzuwenden oder vielmehr in eine Vermehrung der Macht des Staates und des Wohlſeins aller zu verwandeln.
Die Wichtigkeit der Naturwiſſenſchaften für die Mehrzahl der Studirenden iſt vielfach öffentlich aner⸗ kannt worden. Man hegt aber dabei meiſt die Anſicht, daß dieſem Bedürfniſſe durch das Anhören von Kollegien vollkommen Genüge geſchehen könne. Wer indeß das Weſen dieſer Wiſſenſchaften und die Be⸗ dingungen eines erfolgreichen Studiums derſelben näher kennt, wird dieſe Anſicht nicht theilen. Einzelne, für die Naturwiſſenſchaften ganz beſonders begabte Genies haben wohl auf dieſem Wege noch ihr Ziel er⸗ reicht; aber auch dies wird bei dem täglich bedeutender werdenden Umfange dieſer Wiſſenſchaften immer ſeltner vorkommen. Für den gewöhnlichen Menſchen iſt zum fruchtbringenden Studium derſelben erſt eine beſondere Entwicklung und Ausbildung der Sinnen⸗ und Seelenkräfte nothwendig, welche nur in der Periode der größten Bildſamkeit der Organe mit Sicherheit erworben werden kann. Die große Mehrzahl Derjenigen, welche ſich mit den Naturwiſſenſchaften erſt auf der Univerſität zu beſchäftigen anfangen, verliert viel Zeit und Mühe, um nur zuvor zu lernen, wie man dieſelben betreiben müſſe. Sie halten ſich dabei ſtatt an die Natur und ihre Erſcheinungen, an Bücher und Hefte; die ſelbſtthätige Beobachtung, wozu ſie ohne dies weder Luſt noch Befähigung mitbringen, erſcheint ihnen als Nebenſache. Auf dieſem Wege gelangen ſie dann aller—


